Sieben Tage Kunst in Winden

Ausstellung „Und solang Du das nicht hast" eröffnet - Galerist Tom Angermeier im Porträt

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Einmal im Jahr verwandelt die Galerie Angermeier ein altes Bauernhaus im beschaulichen Winden bei Haag in eine thematische Kunstbühne. Heuer hat sich Galerist Tom Angermeier die Strophe „Und solang Du das nicht hast“ aus Goethes „Selige Sehnsucht“ als Inspiration genommen und Werke unterschiedlichster Künstler in seiner Ausstellung vereint. „Es geht um Vergänglichkeit, aber auch darum, sich immer wieder neu zu definieren“, so Angermeier. 

„Eigentlich hab ich nur einen Ort gesucht, um alte Möbel unterzustellen“, beschreibt der gebürtige Isener, wie er damals auf den Hof in Winden gekommen ist. Er habe  2013 eine Anzeige im Lokalblatt aufgegeben und dann aber doch gleich den ganzen Hof gepachtet. „Das war so ein Bauchgefühl“, blickt er zurück. Gestern eröffnete er die siebte Ausstellung in seinem Kirchmoarhof.

Die Liebe zur Kunst entfachte sich während seines Studiums zum Kulturwirt in Argentinien. „Unsere Kunstdozentin hat uns immer in Ateliers geführt und das hat mich begeistert.“

Im Eingangsbereich des Kirchmoarhofs

Hauptberuflich ist Angermeier Botschafter für internationale Kinder- und Jugendbegegnungen, weshalb er viel in der ganzen Welt unterwegs ist – immer mit einem offenen Blick für neue künstlerische Inspirationen. Er notiert sich in seiner persönlichen „Datenbank“ die Philosophien der Künstler, denen er auf seinen Reisen begegnet. „Wenn ich dann eine Idee für eine Galerie habe, dann such ich mir die passenden Künstler zusammen“. Dabei vernetzt sich Angermeier weltweit. So sind zum Beispiel aktuell Exponate von Jep Goldstein aus Argentinien in Winden zu bewundern. „Den hab ich kennengelernt, als wir uns in Buenos Aires um ein Taxi gestritten haben“, erinnert sich der Galerist schmunzelnd. „Der hat mich sofort fasziniert und umso mehr freut es mich, dass ich einige seiner Exponate jetzt bei mir in der Ausstellung habe.“

Munitionskisten aus dem ersten Weltkrieg mit Bronzeschädeln (Ute Lechner)

Dass das Besondere – neben all den internationalen Beziehungen – auch manchmal fast direkt vor der eigenen Haustüre liegt, stellte Angermeier erst vor Kurzem fest. „Ich war zum ersten Mal in einer Jahresausstellung des AK68 und bin über die Werke von Ute Lechner und Silvia Hatzl gestolpert, die thematisch sehr gut zu meiner Idee gepasst haben.“ So reihen sich Lechners Werke, die dem Leitgedanken „Sein und Nicht-Sein“ folgen, und Hatzls Installationen, die mit Häuten, Därmen und Stoffen mit der Wahrnehmung von Verhülltem und Enthülltem spielen, ebenso in die Reihe der diesjährigen Exponate ein, wie die Metallfiguren vom Chiemgauer Thomas Hans und zahlreichen weiteren Werken von Künstlern aus nah und fern.

„Und solang Du das nicht hast“ heißt das Thema der diesjährigen Ausstellung, inspiriert von einer Strophe aus Goethes „Selige Sehnsucht“.

Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde! 
Bist du nur ein trüber Gast 
Auf der dunklen Erde.

Johann Wolfgang von Goethe, Selige Sehnsucht, 1814

„Es ist das erste Gedicht, dass ich mir auf Anhieb auswendig merken habe können und diese eine Strophe hat mich nicht mehr losgelassen“. Vergänglichkeit und sich immer wieder neu definieren seien Themen, die jeden angehen. Außerdem sei es Ziel der Ausstellung, die Besucher dazu zu bringen, über den Tellerrand zu schauen. „Die meisten Menschen werden so von ihrer Gewohnheit eingenommen, dass sie überhaupt nicht mehr ihren Blick nach links und rechts öffnen und diese tausend Optionen, die das Leben bietet, gar nicht wahrhaben können.“ So befinden sich auch einige Exponate in der Galerie, die es durchaus verstehen, zu provozieren oder auf den ersten Blick Unbehagen hervorrufen, wie eine Wanne voller Mist, bedeckt mit Rosenblättern.

„Wir baden im Mist und wähnen uns göttlich“ von Jep Goldstein

Passend zur Philosophie der Ausstellung ließ sich auch die Pfarrgemeinde in Winden auf etwas ganz Neues ein. Sie stellten ihre an den Kirchmoarhof angrenzende Kirche für einige Installationen zur Verfügung. „Das freut mich besonders, weil das für einen kleinen Ort wie Winden absolut keine Selbstverständlichkeit ist“, so Angermeier.

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 3. November, täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Zum Ausklang wird am letzten Tag der Ausstellung um 19 Uhr ein Kirchenkonzert mit Lesungen in der Windener Dorfkirche stattfinden.

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.galerie-angermeier.de

 

 

MP

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