Elf Führungen ausgebucht

Zum gestrigen Tag des offenen Denkmals Andrang beim Haager Schlossturm

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Vor inzwischen vier Jahren begannen die Sanierungsarbeiten am Burgturm und der Ringmauer des Haager Schlossturms, die seit März dieses Jahres abgeschlossen sind. Zum Tag des offenen Denkmals standen nun die Tore zum Schlosshof gestern für Besucher offen. Stockwerk für Stockwerk stellten Mitarbeiter der Gemeinde und des Bauhofs die Sanierungen des Schlossturmes vor.

Alle elf Führungen durch den Burgturm des Haager Schlossturms waren ausgebucht, die Wartelisten waren lang. In stündlichen Besichtigungstouren bekamen Interessierte zum Tag des offenen Denkmals die Möglichkeit, die abgeschlossenen Sanierungsarbeiten der Burg zu begutachten.

 

„Wir haben großen Wert darauf gelegt, so viel Altes wie möglich zu erhalten“, betonte Tom Göschl zu Beginn der Besichtigung. Aufgrund der Statik und des Brandschutzes, musste allerdings die Treppe im Keller gegen eine Stahlwangentreppe ausgetauscht werden. Die sanierten Bauelemente wurden gleich gestaltet: In Grautönen gehalten sind die Neuerungen eindeutig erkennbar. Auch mussten teilweise komplette Böden des Gebäudes neu gelegt werden.

 

Im Erdgeschoss lassen sich allerdings am Gestein noch die alten Mauern erkennen. Ebenso blieben die Hölzer größtenteils erhalten. „Wir hatten ein Holzwurmproblem, aber das konnte inzwischen behoben werden.“ Bei der Sanierung wurde auch eine Sprinkleranlage installiert. Die Holztreppen zu den weiteren Stockwerken sind mit Stützbalken gesichert, blieben ansonsten aber enthalten. Beim Aufstieg der unterschiedlich hohen und teils schiefen Stufen helfen nun allerdings neu angebrachte Geländer.

 

Dass die Sanierung notwendig war, wird besonders im „Hohen Saal“ ersichtlich. Dort sind noch deutlich die Risse an der Süd- und Nordseite erkennbar. „Der Turm hätte sich durch die Last des Daches beinahe gespalten“, erklärte Göschl aber versicherte: „Jetzt steht er.“

 

Eine besondere Ausstrahlung hatte der Trauungssaal, der in Zukunft im Schlossturm eingerichtet werden soll. „Die Lichtstimmung ist in diesem Raum am besten.“ Tom Göschl wies auf die Sonneneinstrahlung zu jeder Tageszeit hin. Ab April soll es möglich sein, dort Trauungen abzuhalten.

Auch brandschutztechnisch sei der Raum bestens ausgestattet. So sei es durch die Brandschutzdecke sowie die gesicherte Glastür im Notfall möglich, sich dort eineinhalb Stunden in Sicherheit aufzuhalten. „Schon an der ursprünglichen Bauweise lässt sich ein Brandschutzgedanke erkennen.“

 

Die nächste Ebene, der Kanonenstock, wird durch seine niedrige Decke charakterisiert. Schwere Kanonen waren früher in diesem Stockwerk platziert, dafür war eine niedrige und dadurch stabilere Decke notwendig. Heute steht eine Nachbildung einer Kanone im Raum. Früher wurden diese vermutlich über einen Lastenaufzug im Dachboden in den Kanonenstock gebracht.

 

An der Außenseite wurde inzwischen eine Webcam angebracht. „Alle fünf Minuten macht sie ein neues Bild von Haag“, so Göschl und freute sich besonders über den Schnappschuss eines Falken, der das Gerät nach seiner Anbringung begutachtete. Aktuelle Bilder der Webcam sind auf der Website der Gemeinde abrufbar.

 

 Der Dachboden ist der letzte für die Teilnehmer begehbare Raum des Turmes: Der fast höchste Punkt mit 24 Metern. Bis zum Wettergockel sind es weitere 18 Meter, womit der Schlossturm auf eine Gesamthöhe von 42 Meter kommt. „Über die Erker lässt sich in alle Richtungen sehr weit sehen.“ Ein außergewöhnlicher Panoramablick, der früher als Frühwarnsystem gegen Feinde galt – und heute fasziniert und begeistert.

 

Auch der Schlosshof befindet sich bereits im Sanierungsprozess. Ines Gerhardt der Grabungsfirma Phoinix zeigte Funde, wie Teile von Kochtöpfen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Ofenkacheln, Pfeilspitzen und sogar Glas. Durch die Keramik der Töpfe ließe sich gut feststellen, aus welcher Zeit die Scherben stammen, so Gerhardt. „Teilweise sind sogar noch Essensreste daran erhalten geblieben.“

 

Die Ausgrabungen waren nötig, um die Substanz des Bodens festzustellen. Für die weitere Gestaltung des Schlosshofes, wie etwa den Bau eine Bühne, sollte geprüft werden, so die Baumaßnahmen möglichst gut und zerstörungsfrei vorgenommen werden konnten.

 

Bürgermeisterin Sissi Schätz freute sich über das große Interesse am Haager Wahrzeichen und kündigte an: „Wir wollen im Oktober weitere Besichtigungen anbieten.“ Gemeinsam mit dem Geschichtsverein will die Gemeinde nun über die weitere Gestaltung des Turmes beraten.

 

 

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