Mein Sommer auf der Alm

Andrea Neuwieser aus Rechtmehring zwischen Lamstoa und Hochries - Unser Porträt

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Das ist junge Almerin Andrea Neuwieser aus Rechtmehring auf dem Gebiet der Riesenalmen bei der Arbeit. Ihren ersten eigenen Almsommer verbringt sie zwischen dem Lamstoa und der Hochries. Bei einem Besuch in ihrem Domizil, der Hütte von Bauer Josef Stuffer aus Prien-Vachendorf, der vormaligen Waizenreit-Alm mit Zugehörigkeit zu Frasdorf erzählt die junge Almerin über ihre Entscheidung und über ihren almerischen Alltag. Unser Portrait …

Gleich 73 Stück Vieh von sieben verschiedenen Bauern gilt es täglich zu zählen und zu beobachten. Das Vieh weidet auf insgesamt 72 Hektar Almfläche verteilt, Sepp Stuffer (Mögl-Bauer von Vachendorf) hat für seine angenommenen Rinder 17 Weiderechte, was 14 Hektar entspricht. Die restliche Fläche teilen sich weitere Almbauern, die in unmittelbarer Nachbarschaft sind – zu ihnen gehört die Hamberger-Alm auf der die erfahrene Sennerin Anni Wörndl ist. Mit ihr versteht sich Andrea Neuwieser bestens und es tut dem „Neuling“ gut, wenn außer ihr noch Jemand vor Ort ist.

Ein richtiger „Neuling“ ist die junge Almerin aus Rechtmehring aber doch nicht. „Als Kind war ich oft mit meiner Tante in Ferienzeiten auf der Alm am Wendelstein, dabei hatten wir je sieben Jungkühe und Kälber zu versorgen. In dieser Zeit entstanden bei mir der Wunsch und die Sehnsucht, ein sorgenfreies Leben in den Bergen zu führen“, so Andrea, die von der Gemeinschaft der Riesenalm-Besitzer für den heurigen Almsommer angestellt ist.

Gute Grundkenntnisse für ein erfolgreiches und verantwortungsvolles Almleben hat Andrea Neuwieser von ihren Eltern und auf dem elterlichen Hof mit Land- und Forstwirtschaft erhalten.

Beruflich entschied sie sich für eine Milchwirtschaftliche Laborantin, nach der Ausbildung und zweijähriger Berufserfahrung aber kündigte sie, um Neues zu lernen. Nach dem heurigen Almsommer will sie eine neue Stelle antreten.

„Ob ihr auf der Alm langweilig ist, weil sie ja keine Bewirtung anbietet?“ Andrea lächelt: „Überhaupt nicht: Der Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang, als dann gibt es viel zu tun, denn ich habe drei Hühner, mit deren Eier und mit eigenem Mehl mache ich mir mein eigenes Brot. Draußen gilt es immer wieder die Disteln zu stechen, Boschen auszureißen und zu schwenden, also die Alm zu putzen“.

Viel Zeit braucht schon das tägliche Zählen des Viehs, das sich im Laufe des Sommers aufgrund der Futter-Verringerung immer weiter von den Almen entfernt. „Wenn die Tiere in Richtung Hochries immer weiter weg gehen, gibt es einige Stellen, die nicht ungefährlich sind, außerdem ist es bei Regen und Nebel oft schwierig, die Tiere auszumachen, da dann deren Glocken nicht so leicht gehört werden“.

Letztlich wird jeden Tag anhand der Marken-Nummern kontrolliert und es erfolgen nach dem Nummernvergleich entsprechende Eintragungen in ein Büchlein. Abwechslung und Tal-Nachrichten bringen das Radio („Einen Fernseher brauche ich nicht“) sowie immer wieder Besuche von Familien-Angehörigen und Freunden.

Eine weitere Abwechslung sind der Besuch auf Nachbaralmen, die Teilnahme an der Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern im Schlierseer Almgebiet sowie die Bergmesse mit Almkirta im eigenen Riesenalmen-Gebiet, die traditionell am 15. August gefeiert wurde.

Eine Bitte zum Abschluss des Alm-Gesprächs hat Andrea aufgrund ihrer heurigen Erfahrungen noch: „Die Mountainbiker mögen doch bitte mehr Rücksicht auf Tiere und Zäune üben, schon mehrmals fand ich offene Zäune vor, das sollte nicht sein“, so die junge Almerin.

Fotos: Hötzelsperger

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