Solarenergie mit großem Potenzial

Hans Urban: „Stromversorgung in Haag zu über 100 Prozent aus Solarstrom möglich"

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Inwieweit könnte eine Gemeinde wie Haag sich mit erneuerbaren Energien selbst versorgen und wie viel kann dabei die Photovoltaik beitragen? Diese Frage beschäftigt den Haager Gemeinderat Hans Urban schon lange privat, beruflich und nicht zuletzt auch in seiner Funktion als Referent für Energie und Umwelt. Mit Unterstützung der Marktgemeinde und der Haager Kraftwerke hat er dazu nun konkrete Zahlen ermittelt und dabei überraschende Ergebnisse errechnet: 

Die Haushalte alleine könnten sich im Jahresdurchschnitt sogar zu 118 Prozent nur aus Solarstrom versorgen.“ Mehr Infos dazu gebe es auch auf den nächsten Info-Abenden der Haager Kraftwerke.

Verschiedene Gemeinden haben zur Ermittlung des Solarstrompotenzials bereits entsprechende Beratungsaufträge vergeben und teilweise auch komplette Solarkataster erarbeiten lassen. „Das kann natürlich helfen, aber letztendlich zählt immer, dass es auch zur schnellen Umsetzung kommt. Nur dann kann dem immer drastischer erkennbaren Klimawandel noch entgegengewirkt werden“, so Urban.

Bereits im Jahr 2000 nahm Hans Urban die damals wohl erste Photovoltaik-Anlage im Netzgebiet der Kraftwerke Haag in Betrieb. Seitdem ließ ihn diese umweltfreundliche und so einfache Art der Stromerzeugung nicht mehr los.

Gerade aktuell ist es für jeden Einfamilienhausbesitzer wieder sehr attraktiv, eigene Solarstromanlagen zu bauen. „Die Preise für solche Anlagen betragen inzwischen nur mehr einen Bruchteil dessen, was man noch vor wenigen Jahren dafür ausgeben musste. Alle neu errichteten Anlagen werden als Eigenverbrauchsanlagen angeschlossen, das heißt, der selbst erzeugte Solarstrom kann auch im eigenen Haushalt direkt selbst verbraucht werden. Gerade das ist es, was Anlagen heutzutage so wirtschaftlich macht.“

Wie sieht nun das Solarstrompotential in einer ländlichen Flächengemeinde wie Haag wirklich im Detail aus? Das wollte Hans Urban ganz genau wissen. Mit Unterstützung eines Praktikanten – Markus Mörwald aus Haag – untersuchte er anhand von konkreten Beispielen die Haager Dachlandschaft.

Über ein professionelles Planungsprogramm eines führenden Solaranbieters wurden dabei konkrete beispielhafte Dächer untersucht und virtuell mit Photovoltaik-Anlagen belegt. Es wurde genau ermittelt, wie viele Solarmodule auf das jeweilige Dach passen würden und welche Leistung, beziehungsweise Jahresenergie sich damit für das jeweilige Gebäude erzeugen lässt.

Im Gemeindegebiet gibt es nach den Daten des Statistischen Landesamtes insgesamt 1698 Wohngebäude. Mehrere Hundert dieser Dächer wurden in der Aktion über Google Maps erfasst und die Ergebnisse dann auf den Gesamtbestand hochgerechnet. Da Haag ein Ort mit einem ausgeprägten historischen Hintergrund ist, wurde auch die Liste der offiziellen Baudenkmäler grob ausgewertet und daraus ein pauschaler Abschlag von 50 Dächern für denkmalgeschützte Gebäude gemacht. Für die Gemeinde zeigt sich damit ungefähr folgendes Bild:

Bereits mit Photovoltaik oder Solarthermieanlagen belegt sind 310 Dächer, also zirka 18 Prozent. Von den restlichen Dächern weisen 1110 eine direkte Süd Lage auf und können damit meist recht einfach mit Photovoltaik belegt werden. Auch Dächer mit Störflächen wie Dachfenster, Dachgauben oder anderen Teilverschattungen sind aufgrund der aktuell verfügbaren technischen Systeme ohne weiteres nutzbar.

Weitere 278 Dächer weisen eine Ost/West-Ausrichtung auf. Für diese Dächer wurde angenommen, dass jeweils beide Hälften mit einer Photovoltaik-Anlage gelegt werden können. Das macht durchaus Sinn, denn der Energieertrag liegt in diesen Fällen je nach Dachneigung nur knapp unter dem eines süd-ausgerichteten Daches und gerade bei der Nutzung als Eigenverbrauchsanlage bieten Ost/West-Dächer sogar Vorteile. Für die denkmalgeschützten Gebäude wurden bei Süd- und Ost/West-Dächern jeweils pauschal 25 als „nicht bebaubar“ abgezogen.

Urban: „Die Detailauswertung der Dächer zeigte, dass die Süd-Dächer mit einer Anlage von durchschnittlich 8,4 Kilowatt Peak belegt werden können. Multipliziert mit der Anzahl der Dächer ergibt sich daraus eine Peakleistung von insgesamt gut 9000 Kilowatt. Mit dem spezifischen Energieertrag eines Süddaches ergibt sich damit ein gesamtes Solarstrom Potential von 10,4 Gigawattstunden pro Jahr.“

Die Ost-West Dächer trügen bei ähnlicher Auswertung noch einmal ein Solarstrom Potenzial von zirka vier Gigawattstunden bei, in der Summe ergeben sich damit 14,4 Gigawattstunden pro Jahr. „Ein weiterer Sicherheitsabschlag von 15 Prozent wurde gemacht, um Verschattungen zu berücksichtigen, damit verbleiben zirka 12,2 Gigawattstunden Solarstrompotential pro Jahr für das Haager Gemeindegebiet.“

Nun galt es, dieses Erzeugungspotential mit der Summe an Stromverbrauchern zu vergleichen. Dies erfolgte anhand der Daten der KWH und der sogenannten Standard-Lastprofile (Normale Haushalte, Haushalte mit Heiztarif, Gewerbe).

„Grob zusammengefasst ergibt sich das erstaunliche Gesamtergebnis, dass die Haager Haushalte sich im Jahresdurchschnitt zu 118 Prozent rein mit Solarstrom versorgen könnten. Nimmt man auch noch die kleineren Gewerbebetriebe hinzu, liegt der solare Deckungsgrad immer noch bei 79 Prozent. Berücksichtigt wurden bei dieser Betrachtung keine größeren Gewerbebetriebe, weder vom Stromverbrauch, noch vom Flächenpotenzial her. Auch mögliche Freiflächen-Photovoltaikanlagen wurden bei dieser Potentialuntersuchung nicht betrachtet“, so Urban.

„Das erfreuliche Gesamtergebnis zeigt, dass eine vorwiegend solare Versorgung für Haag durchaus möglich erscheint. Gleiches gilt natürlich für ähnlich strukturierte Gemeinden. Je mehr Fläche, desto leichter ist die solare Versorgung, entsprechend schwieriger wird es natürlich für die Ballungsräume“, so Urban weiter.

„Weiterer Netzausbau und auch intelligente Konzepte sind also wichtig, nur dann kann das Potential an Solarstrom auch weiter erschlossen werden. Insbesondere wird es aber in Zukunft auch erforderlich sein, die Stromnetze mit Speichern zu flexibilisieren. Eine Möglichkeit der Flexibilisierung kann auch der weitere Ausbau der E-Mobilität sein, denn viele E-Autos könnten in Zukunft helfen, Angebot und Nachfrage im Stromnetz besser in Einklang zu bringen“, so der Referent für Energie und Umwelt.

„Ob dabei die Autos als dezentrale Speicher auch durch Rückspeisung das Netz stützen werden, ist noch offen, aber alleine das Laden der E-Autos immer dann, wenn Solar- oder Windstrom zur Verfügung steht, wird für eine bedeutend bessere Netzauslastung sorgen“, so Urban weiter.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob denn der zusätzliche Strombedarf von so vielen E-Autos überhaupt gedeckt werden kann. „Berechnungen zeigen, dass der gesamte Stromverbrauch bei Umstellung aller Privatautos um etwa 20 bis 25 Prozent steigen dürfte. Am Beispiel Haag heißt das also, dass der solare Deckungsgrad für die Haushalte inklusive Betrieb der E-Autos dann geringer ausfällt, die konkrete Berechnung ergibt dann für diesen Fall noch 94 Prozent für die Haushalte alleine und immer noch 63 Prozent unter Einbeziehung der kleineren Gewerbebetriebe“, sagt Urban.

 

Laut Urban kann zusammenfassend festgestellt werden:

„Solarstrom kann und wird in der Zukunft einen großen Anteil der Energieversorgung übernehmen. Natürlich muss auch der hier bisher nicht berücksichtigte Produktionsbedarf größerer Gewerbebetriebe abgedeckt werden, aber es gibt ja auch weitere erneuerbare Potentiale wie Wasserkraft, Wind und Biogas – und nicht zu vergessen die vielen noch nicht ausgenutzten Sparpotentiale!  Gerade auch Biogasanlagen können durch zunehmende Flexibilisierung zur Stützung des Netzes beitragen, auch wenn das Potenzial der Biogasnutzung in unseren Breiten insgesamt wohl nicht mehr wesentlich auszubauen ist.“

„Für die Haager Kraftwerke als ländlicher Energieversorger und Netzbetreiber ist die Umstellung auf Erneuerbare Energien sicher eine sehr große Herausforderung für die Zukunft, sowohl technisch als auch wirtschaftlich0″, so Urban. Aber bei den KWH will man diese Herausforderung ganz aktiv mitgestalten und bietet deshalb seit Anfang des Jahres unter anderem auch die Installation von Photovoltaik-Anlagen, Speichern und auch die Versorgung von E-Autos als Produkt nach dem Motto „alles aus einer Hand“ mit an.

 

Informieren kann man sich über dieses Angebot bei den nächsten Informationsterminen in und um Haag:

Montag, 23. Juli, ab 19.30 Uhr, beim Gasthaus Zum Bruckwirt (Dorfner Straße 8 in Isen)

 

Dienstag, 24. Juli, ab 19.30 Uhr, beim Gasthaus Baumgartner (Tiefenstätt 6 in Ramsau)

 

Mittwoch, 25. Juli, ab 19.30 Uhr, beim Gasthof zur Post (Hauptstraße 6 in Hohenlinden)

 

Donnerstag, 26. Juli, ab 19.30 Uhr, in der Pizzeria „da Salvatore e Massimo“ (Dorfstraße 4 in Soyen)

 

Freitag, 27. Juli, ab 19.30 Uhr im Unertl Bräustüberl (Lerchenberger Straße 2 in Haag)

 

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