Verkehrsplanung sorgte für Diskussionen

Gemeinderat Haag besprach die bevorstehende Konzeptphase

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Beim Thema Verkehrsplanung gingen die Meinungen der Haager Gemeinderatsmitglieder weit auseinander. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung waren Dr. Christoph Hessel und Tobias Kölbl des Ingenieurbüros „Gevas Humberg und Partner“ zu Gast. Sie wurden mit der Verkehrsplanung beauftragt und stellten nun die nächsten Schritte in die Konzeptphase vor.

Nachdem die Erhebungsphase der Verkehrssituation inzwischen abgeschlossen ist, soll nun ein Konzept für die verkehrlichen Rahmenbedingungen erarbeitet werden. „Ziel ist die Entlastung der Ortsdurchfahrt, Steigerung der Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit der Geschäfte. Dennoch sollen der öffentliche Personennahverkehr und Lieferverkehr weiterhin funktionieren“, stieg Hessel in seinen Vortrag ein.

Anhand der erhobenen Daten unter anderem durch Haushaltsbefragungen zur Verkehrssituation und Verkehrszählungen soll nun ein sogenannter Prognose-Nullfall aufgestellt werden. „Dadurch lässt sich feststellen, was passiert, wenn keine Maßnahmen getroffen werden“, so Hessel. Es sollen siedlungsstrukturelle Änderungen, wie Einwohnerzahl oder Arbeitsplätze, sowie die Netzänderungen berücksichtigt werden. „So kann auch der Verkehr prognostiziert werden.“

Erst dann ließen sich konkrete Randbedingungen benennen, die im Planer-Wettbewerb berücksichtigt werden sollen. Denn Hessel ist sicher: „Es gibt keinen anständigen Wettbewerb, wenn keine Freiheiten geben werden – aber es braucht einen Rahmen.“

Auch Bürgermeisterin Sissi Schätz weiß: „Wenn kein Konzept gelegt wird, gehen die Lösungsansätze womöglich zu weit auseinander. Das kann zu Streits führen.“

Für die weitere Vorgehensweise zeigte Hessel konkrete Vorschläge. „Wichtig ist die Erreichbarkeit der zentralen Orte, auch die Stellplatzkapazität spielt eine Rolle.“ Dafür soll die Stellplatzbewegung erhoben werden. Es soll ein Vergleich unterschiedlicher Belastungszeiten durchgeführt werden.

Auch für den Radverkehr hatte Hessel bereits Vorstellungen. „Wir wollen die Schutzstreifen der Münchener Straße fortführen.“ Er legte den Fokus auf ein möglichst gutes Radwegenetz auch im überörtlichen Bereich. Für Fußgänger empfiehlt er Überquerungsstellen an den richtigen Orten, Zuwegung der Parkplätze und auch die Ausbildung von Bushaltestellen. Und auch der Durchgangsverkehr ließe sich durch Überquerungen und geänderter Steuerung der Signalanlage verändern.

In seiner Erläuterung betonte Hessel: „Die Rahmenbedingungen stellt letztendlich der Gemeinderat. Unser Büro gibt nur Empfehlungen.“

In der anschließenden Diskussion zeigte sich der Gemeinderat uneinig über die weitere Vorgehensweise. Hans Urban (CSU) war der Meinung, mit der Konzeptphase würde nur unnötig Zeit verschwendet. „Wir wollen mehr Radverkehr, und den Durchgangsverkehr aus dem Ort bringen. Es beeinflusst die Maßnahme nicht, wenn wir prüfen, wie viele durch den Ort fahren. Wir sollten uns schneller mit den möglichen Maßnahmen beschäftigen.“ Er ist sicher, es gäbe ohnehin nicht viele Möglichkeiten, die umsetzbar wären.

Hessel aber betonte: „Es braucht eine Grundlage für die Wirkungsabschätzung. Wir brauchen klare Randbedingungen.“ Er gab zu, dass die räumlichen Möglichkeiten im Ortskern begrenzt seien, aber versicherte: „Im Wettbewerb wird es dennoch viele unterschiedliche Lösungsansätze geben.“

Eva Rehbein (SPD) legte besonderen Wert auf den Ortskern: „Er ist das Schmuckstück von Haag.“ Sie war der Ansicht, dass Arbeiten daran gut überlegt sein sollten und befürwortete daher den Planer-Wettbewerb.

Auch Josef Hederer (PWG) stimmte seiner Vorrednerin zu: „Wenn wir Wettbewerb nicht machen, vergeben wir so viel Kreativität.“

Stefan Högenauer (CSU) dagegen ist wichtig, dass der Großteil des Ortes hinter dem gewählten Lösungsansatz steht. „Der Wettbewerb hat möglicherweise eine unbefriedigende Wirkung auf die Stadtgesellschaft“, so Högenauer. „Im Vordergrund sollte eher die Frage stehen: Was halten Anlieger und Geschäfte davon?“

Christoph Hessel versicherte, dass auch die Geschäftstreiber für die weitere Planung miteinbezogen werden sollen. Außerdem sei vorgesehen, dass die Umgestaltung des Ortskerns von einem Projektmanagement begleitet wird, erinnerte Bürgermeisterin Sissi Schätz an einen vergangenen Beschluss.

Rosmarie Heimann (PWG) und Herbert Zeiliger (WFH) setzten außerdem als Ziel, den Ortskern attraktiver zu gestalten. „Wir wollen, dass die Leute sich im Ortskern aufhalten und wegen den Geschäften kommen, und nicht, um schnell durchfahren zu können“, argumentierte Zeilinger. „Verkehr bringt nur weniger Lebensqualität, nicht mehr Geld für die Geschäfte.“

Anderer Meinung zeigte sich Wolfgang Obermeier (FW Haag): „Geschäftsleute finden Verkehrsberuhigen und Umgehungen nicht gut.“ Und auch Egon Barlag (FW Haag) ist sicher: „Die Geschäfte leben auch mit dem Durchgangsverkehr.“

Letztendlich meldete sich Peter Bauer (SPD) mit dem Antrag, die Diskussion abzuschließen und die Vorgehensweise zur Kenntnis zu nehmen: „In den letzten Minuten hat sich gezeigt, dass eine Grundlage sehr wohl wichtig ist. Erst dann können wir fundiert weiter diskutieren.“ JF

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