Hoffnung schenken

Junge Leute helfen: Aufruf im Altlandkreis - Alle Abgabeorte und -termine im Überblick

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Viele Haushalte im Altlandkreis haben in diesen Tagen eine Postwurf-Sendung erhalten: Junge Leute helfen, das steht darauf geschrieben – so wie in Pfaffing, wo Julia Glasl von der Katholischen Landjugend aufruft, für einen Hilfstransport zu Flüchtlingen und Armen im ehemaligen Jugoslawien zu spenden. Am kommenden Samstag wird vor dem Pfarrhaus in Edling eingesammelt. Hubert Zeltsperger aus Obing erinnert als einer der Organisatoren an das vergangene Vierteljahrhundert, denn so lange gibt es die Aktion bereits.

Als 1992 eine Gruppe von Jugendlichen aus Obing und Pittenhart, berührt von den Kriegsbildern, spontan mit einem kleinen Lieferwagen Hilfspakete nach Sisak in Kroatien bringen wollte, war die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung überwältigend.

Sachspenden möglichst in Bananen-Schachteln zum jeweiligen Abgabeort (siehe Liste unten) bringen:

Benötigt werden Grundnahrungsmittel

wie Zucker, Reis, Mehl, Nudeln, Öl, Milchpulver, Babynahrung,

Hygieneartikel, Spiel- und Babysachen sowie Kinderkleidung.

Das Pfarramt in Obing und deren Priester Valentin Tremmel, Martin Klein und nun auch Pfarrer David Mehlich gehören zu den großen Schirmherren und Förderern dieses Hilfswerkes und auch der Gemeinde Kienberg gebührt für die großzügige Bereitstellung der alten Salzhalle als logistisches Zentrum großer Dank.

„Wer hilft. bleibt im Herzen jung und voller Idealismus“, lautet ein Aktionsmotto. So gehören zu der beweglichen Horde an Aktiven ebenso viele Rentner, Frauengemeinschaften, Pfarrgemeinderäte oder Mitglieder vom Landvolk, KAB und von Kolpingfamilien wie Jugendliche, die etwa die Hälfte der Fleißigen stellen.

Inzwischen geht man schon in die fünfte Generation von Land- sowie Pfarrjugendgruppen und erfreulicherweise sind schon die ersten Kinder der Gründergeneration auf den Balkantouren dabei. „Der Verdienst dieser Hilfsaktion liegt deshalb besonders darin, dass sie die Energie der Jugend mit der Not der Welt verbindet“, so Zeltsperger.

„Jeder junge Mensch sollte als Kernkompetenz lernen, etwas für andere zu tun und hat bei uns ein tolles Lernfeld, welches ihn positiv verändert“. Wesensmerkmal ist dabei auch, dass diese direkte Hilfe nicht nur ankommt, sondern dass auch möglichst viele bedürftige Familien von den jungen Entwicklungshelfern besucht werden. „Alles was Nähe schafft ist gut und gibt allen Beteiligten Hoffnung, welche in einem oft politisch korrupten Umfeld wie eine Medizin wirkt“.

So waren es auch Jugendliche, die oft mehrere Monate in Missionsstationen in den ärmsten Bergregionen Albaniens mitgearbeitet und die Aktion mit der Forderung nach mehr Nachhaltigkeitsprojekten weiterentwickelt haben. Studentenpatenschaften, das Verteilen von Nutztieren oder der Häuserbau zur Verhinderung der Landflucht gehören heute zu den Kernaufgaben. Kindergärten, Schulheime und Gemeindezentren wurden gebaut.

„Eure wöchentlichen Hilfstransporte sind aber auch die tägliche Nothilfe für die sozialen Schwachen“, das sind die dankbaren Worte von Violeta Ferati. Diese leitet eine der Anlaufstellen für Alleinerziehende, alte und kranke Menschen der Caritas in Ferizaj im Kosovo. An drei Armenküchen warten zudem täglich etwa 1.500 Menschen in äußerster Not auf Essen. Eine typische Frage an die Helfer lautet deshalb häufig, ob es denn nach so langer Zeit im Krisengebiet endlich besser wird?

Das positive Resümee von JLH dafür lautet: „Sehr vieles hat sich sichtbar positiv verändert. So wurden Straßen und Häuser wieder aufgebaut, allerorts sieht man Menschen bei der Arbeit, auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit noch tragisch hoch ist. Aus einigen Regionen Kroatiens und Montenegros konnten wir uns zurückziehen. Aber die sozial Schwächsten in den ärmsten Ländern Europas werden uns angesichts wirtschaftlich schwacher Staaten noch weiter brauchen. Entscheidend für die Verbesserung ist aber eine kraftvolle neue Generation von jungen Menschen mit denen wir arbeiten, die ihr Leben in die Hand nehmen wollen. Sie möchten weltoffen ihr Land aufbauen und nicht mit falschen Träumen auswandern.“

Gemeinsame Fußballspiele, Jugendgottesdienste und soziale Aktivitäten haben zu tiefen Freundschaften geführt und den Horizont beidseitig erweitert.

Abgabeorte- und Termine Weihnachtshilfsaktion 2017 (Orte im Altlandkreis rot gedruckt)
Freitag, 1. Dezember
Bayerisch Gmain Grundschule 12 – 14 Uhr
Marquartstein Realschule 9 – 12 Uhr
Oberwössen Hinterfeldweg 2 14 – 18 Uhr
Seebruck Pfarramt 9 – 12 Uhr
Vachendorf Pfarrheim 9 – 11 Uhr
Samstag, 2. Dezember, 9 – 12 Uhr 42 Orte
Albaching Pfarrheim
Altenmarkt Volksschule
Au bei Berchtesgaden Pfarrheim
Berchtesgaden Pfarrheim
Chieming Pfarrhof
Edling vor dem Pfarrhaus
Endorf Am Kirchplatz
Engelsberg Parrheim
Evenhausen Jugendraum
Garching Pfarrzentrum St. Nikolaus
Grassau Pfarrheim
Haag Pfarrheim
Halfing Pfarrheim
Heiligkreuz Hör 1
Isen Haager Straße 52 9 – 11 Uhr
Kammer Kronacker 9a
Kay/Tittmoning Panoramaweg 1a
Kienberg Salzhalle
Marktschellenberg Pfarrheim
Nussdorf Pfarrsaal
Nussdorf/Inn Pfarrheim
Leonhard Feuerwehrhaus
Lindach Aspertsham
Obing Pfarrheim
Ostermünchen Pfarrheim
Palling Wertstoffhof
Prutting Thusbaß-Halle
Ramsau Mesnerhaus 9 – 11 Uhr
Raubling Pfarrheim, Hl. Kreuz
Reit im Winkl Pfarrheim
Riedering Pfarrheim
Schleching Pfarrhof/Raiten 8:30 – 11 Uhr
Schnaitsee Cafe „Epsilon“
Schönau Pfarrheim 9 – 11 Uhr
Seeon Rosenbichlweg 16
Stephanskirchen Turnhalle Ottfried-Preußler-Schule
Teisendorf Pfarrheim
Tengling Furtmühle 4
Tüßling/Teising Pfarrsaal Burgkirchen am Wald
Tuntenhausen Pfarrheim
Unterneukirchen Pfarrheim
Unterwössen Pfarrheim
Freitag, 8. Dezember.
Surberg Pfarrheim 10 – 14 Uhr
Tettenhausen ehemaliges Schulhaus 14 – 17 Uhr
Samstag, 9. Dezember, 9 – 12 Uhr 19 Orte
Ainring Pfarrheim
Altötting Klosterpforte St. Konrad
Amerang Pfarrheim
Anger/Aufham Pfarrhof Aufham
Aschau Pfarrheim
Asten Schreinerei Asenkerschbaumer
Au Pfarrheim
Babensham Pfarrheim
Bad Feilnbach Heimgarten
Bad Reichenhall Kolpinghaus
Bergen Pfarrheim
Bernau Pfarrheim
Bischofswiesen Pfarrheim
Brannenburg Pfarrheim Degerndorf
Eiselfing Feuerwehrhaus Bachmehring
Emertsham Jugendheim
Feichten Pfarrheim
Flintsbach Pfarrheim ?
Frasdorf Pfarrheim
Fridolfing Pfarrheim
Georgen Pfarrheim
Gollenshausen Pfarrhof
Griesstätt Jugendheim
Großkarolinenfeld Pfarrkirche
Halsbach Pfarrheim
Höslwang Pfarrheim
Kirchanschöring Grundschule
Kirchweidach Gemeindevorplatz
Laufen Pfarrheim
Leobendorf Feuerwehrhaus
Peterskirchen Pfarrheim
Petting Pfarrheim
Piding Pfarrheim
Pittenhart Pfarrheim
Rabenden Feuerwehrhaus
Rimsting Pfarrheim
Rott Pfarrheim
Ruhpolding Parkplatz Bahnhof 9 – 10:30 Uhr
Saaldorf/Surheim Pfarrheim
Schneizelreuth Haus der Vereine in Unterjettenberg
Siegsdorf Aula der Volksschule
Söchtenau Pfarrheim
Soyen Pfarrzentrum
Tacherting Pfarrheim
Traunreut Pfarrheim
Traunwalchen Obernhof/Niedling 6
Truchtlaching Pfarramt
Tyrlaching Dorfplatz
Übersee Nikolausheim
Vogtareuth Feuerwehrhaus 10 – 12 Uhr
Keine Abgabe:
Waging, Leonhard, Marquartstein, Pfaffing (in Edling am Samstag, 2. Dezember, von 9 bis 12 Uhr vor dem Pfarrhaus)
Eggstätt (in Gollenshausen), Traunstein, Schonstett (in Amerang)
Oberfeldkirchen, Trostberg und Schwarzau (in Kienberg)

 

Die erste Idee zur Unterstützung von Flüchtlingen in Kroatien entstand im Herbst 1992 im Freundeskreis von jungen Erwachsenen und Jugendlichen aus dem Raum Obing und Umgebung. Inzwischen hat sich diese Aktion auf 77 Pfarreien im Chiemgau und Rupertigau zwischen Inn und Salzach ausgedehnt.

Getragen werden die Aktivitäten durch Gruppen wie der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), Pfarrjugend, Jugend 2000, Katholischer Frauenbund, Katholische Frauengemeinschaft, Kolpingfamilie, Katholische Arbeiterbewegung (KAB), Katholische Landvolkbewegung, Katholischer Burschenverein, Pfarr-Caritasverein, Pfadfinder (KPE), Pfarrgemeinderäten und Pfarrämtern sowie zahlreiche aktiven Christen.

Nach anfänglichen Verteilaktionen in Sisak und Zagreb konnte man durch die treue und rege Unterstützung der Bevölkerung die Hilfeleistungen ab den Kriegswirren im Jahre 1999 auf die Länder Kosovo, Albanien und Montenegro erweitern. Seither starten etwa wöchentlich Sattelzüge mit Hilfsgütern zu sechs Caritasstationen, wo an mehr als 10.000 Arme und Flüchtlinge verteilt wird.

Das Zentrallager der Aktion befindet sich in der „Alten Salzhalle“ in Kienberg, die von der Gemeinde Kienberg seit 1998 kostenlos zur Verfügung gestellt wird.
Neben 24.000 Bananenkisten an Kleidung, Spielzeug, Schuhen und Lebensmitteln, die von den 77 Pfarreien in der Adventszeit gesammelt werden, sind Geldspenden für die gestiegenen Transportkosten und den Kauf von wichtigen Grundnahrungsmitteln (wie Öl, Zucker, Mehl, Reis, Nudeln) oder Hygieneartikeln sehr wichtig.

Dazu sind bei 50 Banken vor Ort Spendenkonten eingerichtet. Der überwiegende Teil der Lebensmittelsendungen wird aber dank der großzügigen Unterstützung von Firmen wie Hipp Babynahrung, Adelholzener, Danone, Bergader Privatkäserei, Bernbacher, Gronbach und zahlreicher weiterer Hersteller ermöglicht.

Bisher wurden über 600 Hilfstransporte durchgeführt und der Bau von mehreren sozialen Einrichtungen als „Hilfe zur Selbsthilfe“ ermöglicht. „Liebe wächst durch Liebe“ schreibt Papst Bendikt XVI. in seinem Rundschreiben „Deus Caritas Est“. Und so sind die Hilfspakete „wie eine Pille für die verletzten Menschen auf dem Balkan und geben ihnen viel Hoffnung,“ schreibt ein Mitarbeiter der Caritas Kotor.

Neben der Versorgung von Bedürftigen dient dieses lose Netzwerk der Nächstenliebe aber insbesondere auch als Lernfeld für Jugendliche, die eine soziale Sensibilität einüben wollen und so einen positiven Lebensentwurf aus dem Glauben entwickeln können. Insbesondere die Begegnung mit den Armen, den helfenden Freunden vor Ort und die Erfahrung „Helfen macht Freude“ hat viele Jugendliche und Erwachsene seither geprägt und über 5.000 Spenderfamilien der Region zum Spenden und
Helfen veranlasst.

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