Der Mensch braucht die Biene

Über ihren Schutz in den Kommunen: Infoveranstaltung im Landratsamt

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Die Frage „Wie lange der Mensch ohne die Biene überlebt?“ spielte nur kurz eine Rolle. Denn in der Veranstaltung, zu der der Verein zur Förderung der Regionalentwicklung im Raum Rosenheim, kurz RegRo, geladen hatte, ging es darum, wie der Biene eine Zukunft gestaltet werden kann. Organisator und Vereinsvorsitzender Sebastian Friesinger aus Albaching begrüßte dazu Bürgermeister und Bauhofleiter im großen Sitzungssaal des Rosenheimer Landratsamtes.

Im Landkreis Rosenheim gibt es derzeit knapp 970 Imker die rund 8.500 Bienenvölker betreuen. Die Zahlen hatte Landrat Wolfgang Berthaler mitgebracht, der in seiner Begrüßung die Notwendigkeit des Einklangs in der Natur betonte.

Unter dem Motto „Was man schätzt, das schützt man“ stellte der Imker Sepp Hermann aus Großhöhenrain als erster Referent die Biene vor.

Ein Bienenvolk besteht in seiner Hochphase im Sommer aus einer Königin, 60.000 Bienen und 2.000 Drohnen. Um zu Überleben braucht ein Volk rund 600 Kilogramm Nektar, 40 Kilogramm Blütenpollen und 1.000 Liter Wasser für den Eigenbedarf. Das muss in der Natur erst einmal vorkommen, sonst gibt es Defizite, so Hermann. 80 Prozent unserer Kulturpflanzen müssen bestäubt werden.

Wenn dies nicht nur der Wind, sondern Bienen besorgen, sind die Früchte schöner, ausgereifter, lagerfähiger und aromatischer, schwärmte Hermann. Gleichzeitig warnte er, mit Agrar- und Maiswüsten kommen wir nicht weiter. Der Imker warb, Gemeindeflächen zu nutzen und Lebensgrundlagen zu schaffen für Bienen, Hummeln, Mäuse und Käfer. Davon haben auch wir Menschen etwas, so seine Überzeugung. Seinen überaus lebendigen Vortrag schloss Hermann mit dem Satz: Die Biene braucht den Menschen, aber noch viel mehr braucht der Mensch die Biene.

Dominik Fehringer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen ist Oberbayerns Wildlebensraumberater. Diese Funktion wurde geschaffen, weil die Vielfalt in der Landwirtschaft und der Kommune zurückgeht. Wir müssen die Insektenvielfalt in der Agrarlandschaft fördern und Maßnahmen in den Kommunen ergreifen, sagte Fehringer.

Als konkrete Beispiele nannte er die richtige Auswahl von Hecken, die Schaffung von Blühflächen und das Anpflanzen von Obstbäumen. Ganz wichtig war Fehringer bei der Pflege von Flächen den richtigen Zeitpunkt auszuwählen: Wenn ich zum falschen Zeitpunkt mulche, töte ich pro Hektar 40.000 Bienen. Von den anderen Insekten rede ich noch gar nicht.

Die Möglichkeiten, bienenfreundlich zu pflanzen, gibt es in jeder Gemeinde. Kreisfachberater Sepp Stein warb dafür, nicht nur an öffentliche Grünanlagen zu denken. Auch Friedhöfe, Verkehrsinseln, Schulgärten, Spielplätze oder schmale Streifen am Straßenrand bieten sich an. Stein erinnerte aber auch daran, dass mehrjährige Blumenwiesen nicht immer blühen. Wichtig ist daher, so Stein, den Bürgern deren Bedeutung zu erklären.

In zwei weiteren Vorträgen wurden die Bürgermeister und Bauhofleiter noch über Möglichkeiten informiert, Unkraut auf Wegen und Plätzen effektiv zu entfernen sowie Kreuzkraut zu bekämpfen.

mf

Unser Foto ganz oben: Sie warben für mehr Bienenschutz in den Kommunen (von links) Gartenfachberater Sepp Stein, Bürgermeistersprecher August Voit, Wolfgang Hampel, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim (AELF), Christiane Beck (AELF Rosenheim), Imker Sepp Hermann, RegRo-Vorsitzender Sebastian Friesinger, Oberbayerns Wildlebensraumberater Dominik Fehringer und Thomas Müller (AELF Rosenheim).

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