Schätz: „Überquerungshilfen absolut wichtig“

Neuplanung der Münchener Straße vom Haager Gemeinderat einstimmig gebilligt

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haag-1200x787Nach dem Bürgerentscheid (wir berichteten) wird in Haag der Umbau der Münchener Straße neu geplant, um Schutzstreifen für Radfahrer und den Erhalt der Abbiegespur in die Rainbachstraße zu ermöglichen. Der Gemeinderat entschied sich bei seiner jüngsten Sitzung für die Planungsvariante mit sieben Metern Fahrbahnbreite und 1,25 Meter breiten Schutzstreifen. Die Gehwege werden auf die vorgeschriebenen Breiten ausgebaut beziehungsweise dort ergänzt, wo noch keine vorhanden waren. Die Planung beinhaltet weitere Überquerungshilfen und den Minikreisverkehr in der Rosenberger Straße.

Vorausgegangen war der Entscheidung die Präsentation der Verkehrsuntersuchung des Ortskerns Haag, die Dr. Christoph Hessel vom Verkehrsplanungsbüro vortrug. Erfreulicherweise habe der Kfz-Verkehr zwischen 2010 und 2016 an der Münchener Straße abgenommen, „aber mit bis zu 12.450 Fahrzeugen täglich ist die Verkehrsbelastung in der Münchener Straße immer noch sehr hoch. Der Schwerverkehr ist nur etwas geringer wie vor sechs Jahren. Trotz Umgehungsstraße beträgt der Durchgangsverkehr am Kfz-Verkehr noch zirka 28 Prozent. Der Anteil an Radverkehr entlang der Ortsdurchfahrt und im Bereich der Schulen ist gering.“

Auch aus der Haushaltsbefragung flossen erste Ergebnisse in die Vorüberlegungen zur Münchener Straße ein. So sprachen sich 69 Prozent  der Befragten für eine Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt aus, 60 Prozent für den Ausbau des Radwegenetzes und 61 Prozent für den Ausbau des Fußwegenetzes.

Mit Hilfe des Verkehrsplaners entwickelte das Ingenieurbüro INFRA zwei mögliche Varianten, wobei die Variante mit den schmaleren Schutzstreifen eine knappe Mehrheit erhielt. Die übrigen Abstimmungen, die die weiteren Überquerungshilfen und die Lage einer Bushaltestelle betrafen, erhielten im Rat jeweils große Mehrheiten. Die abschließende grundsätzliche Billigung der Planung erfolgte einstimmig.

Die Planung wird nun mit dem staatlichen Bauamt Rosenheim als Vertragspartner und den Förderbehörden weiter abgestimmt.

Dazu Bürgermeisterin Schätz: „Am meisten freut mich das einstimmige Ergebnis des Grundsatzbeschlusses. Das erleichtert sicher auch die Grundstücksverhandlungen, denn im Vergleich zur bisherigen Planung ist nun zusätzlicher Grunderwerb nötig. Neben der Erfüllung der Vorgaben des Bürgerentscheids sind mir vor allem die zusätzlichen Überquerungshilfen wichtig, die die Verkehrssicherheit für die Fußgänger und Radfahrer erhöhen, aber auch zur Verkehrsberuhigung beitragen.“

Auch Andreas Sax von der Bürgerinitiative  „Der bessere Weg für Haag“ nahm zur Sitzung Stellung: Besonders der Anteil der reinen Durchfahrer habe die Räte interessiert. Dr. Hessel vom Büro „gevas“ habe von einer weitgehenden Einhaltung des Durchfahrverbots für Lkw berichtet. Lediglich 14 Prozent der noch durch Haag fahrenden Lkws seien reine Durchfahrer.

Bei den Pkws zeige die Umgehungsstraße in den letzen Jahren auch Erfolge, aber immer noch führen rund 28 Prozent aller Autos ohne Stop durch Haag. Deshalb habe Dr. Hessel vorgeschlagen, die Straße mit weiteren Querungshilfen zu beruhigen. Auch der geplante Minikreisel sei eine wirksame und gute Sache. Dennoch liege aufgrund des hohen eigenen Verkehrsaufkommens die Gesamtbelastung bei 10.000 bis 12.500 Pkw pro Tag im Bereich der Münchener Straße. Um diese effektiv zu reduzieren, habe Dr. Hessel an die Haager Räte appelliert, den Rad- und Fußverkehr in diesem Bereich deutlich zu stärken. „Die durch den Bürgerentscheid beschlossenen Schutzstreifen sind dazu ein geeigneter Weg“, so Andreas Sax..

Sax abschließend: „Aus Sicht der Bürgerinitiative geht nun endlich etwas vorwärts. Vor allem für die Kurve Baumgartner hätte ich mir aber eine bessere und sicherere Lösung gewünscht. Aber immerhin ist jetzt das Eis gebrochen.“ RED

 

 

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Ein Gedanke zu „Schätz: „Überquerungshilfen absolut wichtig“

  1. Die folgenden Zeilen sind meine persönliche Sichtweise und eine Erklärung, warum ich im Gemeinderat gegen die aktuelle Planung zur Münchener Straße gestimmt habe.

    Mir war immer wichtig, dass Haag eine moderne und sichere Lösung bekommt. Diese war aus meiner Sicht eine möglichst breite Fahrbahn mit Schutzstreifen für Radfahrer.

    Die Umplanung der Gemeinde sieht dagegen nur die vorgeschriebene Mindestbreite der Fahrbahn vor und kombiniert diese mit Schutzstreifen, die ebenfalls nur der geforderten Mindestbreite entsprechen. Eine solche Kombination wird im Regelwerk explizit nicht empfohlen (1). Auch in den Kurven wird die Fahrbahn nicht verbreitert. Es steht zu befürchten, dass bei diesen engen Verhältnissen, die Schutzstreifen ständig überfahren werden, anstatt einen geschützten Raum für Radfahrer zu bieten. Die Regelmaße für eine Fahrbahn mit Schutzstreifen werden jetzt unterschritten, obwohl sie mit ausreichend breiten Gehwegen möglich gewesen wären.

    So ist der Bürgerentscheid nur auf dem Papier umgesetzt.

    Vorgeschriebene Sicherheitsräume, z. B. an den Senkrechtparkplätzen beim Bürgersaal, sind ebenfalls nur auf Minimalniveau. Sicherheit vor allem für die schwächeren Radfahrer hätte eine großzügigere Berücksichtigung verdient. Wenn sich der Radfahrer auf den schmalen Streifen nicht wohl fühlt, wird er diese kaum akzeptieren.

    Mein Hauptkritikpunkt bleibt die Situation in der Kurve Einfahrt Westendstraße. Durch die Nichtausübung des Vorkaufsrechts wurde die Chance auf optimale Sichtverhältnisse und einen sichereren Schulweg vertan. Durch Ankauf und Abriss des gesamten Gebäudes hätte hier eine wesentliche Verbesserung stattfinden können.

    Die kurz vor dieser Engstelle angelegte Ampel bleibt weiterhin ein gewollter Stauverursacher, weil ein an der Ampel wartender Lkw bei Gegenverkehr auch bei Grün nicht losfahren kann. Anscheinend soll der Durchgangsverkehr weiterhin durch Stau „überredet“ werden, die Umgehungsstraße zu benutzen.

    Dieses Festhalten an der alten Planung finde ich besonders schade.

    Das Verkehrsgutachten (2) hat ergeben, dass nur noch 28% aller Verkehrsteilnehmer „Durchfahrer“ sind. Umgekehrt ist 72% des gesamten Verkehrsaufkommens durch uns Haager selbst verursacht. Auch mir ist der Anteil der reinen Durchfahrer zu hoch. Eine Lösung dafür sehe ich aber nicht in einem Stau, der dauerhaft alle Haager trifft, sondern in einem Gesamtkonzept, das auch die Ortsmitte und die Wasserburger Straße einschließt. Letzteres gibt es aber immer noch nicht.

    Laut Verkehrszähler Dr. Hessel, wäre es ein Lösungsansatz, die Bürger zu motivieren, innerörtliche Wege schnell und sicher mit dem Rad zu erledigen. Diese Meinung teilen viele Haager, wie die von der Gemeinde beauftragte Haushaltsbefragung zeigt. Mit der höchsten Zustimmung von 75% wurden bessere Radwege gefordert (2).

    Für meine Vision vom besseren Weg für Haag stehe ich nach wie vor, dafür habe ich gekämpft und mich in den Gemeinderatssitzungen mit vielen Argumenten stark gemacht.

    Positiv ist, dass der Kreisel zur Rosenberger Straße kommt und die Abbiegespur in die Rainbachstraße erhalten bleibt. Mehrere relevante Punkte, v.a. eine sinnvolle Kombination aus ausreichender Straßen- und Schutzstreifenbreite, fanden dagegen in der vorliegenden Planung keine Berücksichtigung.
    Die jetzige Version ist kaum ein attraktives Angebot für sicheres und komfortables Radeln. Sie ist eher ein Beharren auf den Zielvorstellungen zur abgewählten Planung, lediglich durch die Alibistreifen um 70 cm breiter. All dies hat mich dazu bewogen, mich dagegen auszusprechen.

    Quellenangaben:
    1) ERA – Empfehlungen für die Anlage von Radverkehrsanlagen 2010
    2) Verkehrsuntersuchung Haag, https://www.markt-haag.de/…/Verkehrsuntersuchung_Ortskern%2…

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