Ein Portrait: Die Tradition des Maibaums

Soyen, Steppach, Rettenbach, Maitenbeth: Am kommenden Sonntag werd's ernst

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Sich in die Schwaiberl stemmen – darum geht’s an diesem Sonntag, 1. Mai, wieder traditionell in einigen Gemeinden im Altlandkreis: In Rettenbach, Maitenbeth, Steppach oder Soyen zum Beispiel. Es geht um das traditionelle Aufstellen des Maibaums. Nachdem er mit vereinten Kräften gefällt, bewacht, geschmückt und schließlich aufgestellt wird, folgt ein geselliges Beisammensein bei Bier, Brotzeit und Musik. Aber was hat es mit der Tradition des Maibaumaufstellens in Bayern eigentlich auf sich?

Foto: Renate Drax

Nach diversen Quellen geht die Tradition in Bayern nachweisbar bereits bis ins 16. Jahrhundert zurück: Aus dem Jahr 1531 stammt eine Rechnung für einen Maibaum in Bayern.

Ein Bild des Malers Donauer zeigt ebenfalls schon 1585 einen Figurenmaibaum. Unter dem mächtigen bayerischen Außen-, Finanz- und Innenminister Maximilian von Montgelas – quasi ein Vor-Vor-Vorgänger von Markus Söder – wurde der Maibaum in Bayern zu einem Symbol des Staatsbewusstseins der Gemeinden.

Montgelas‘ Ansbacher Mémoire von 1796 stellt ein Grundsatzprogramm für den Umbau des Kurfürstentums Bayern in ein modernes Staatswesen dar. Mit dem Maibaum kommunizierten die Gemeinden für jedermann sichtbar den Zusammenhalt und den Wohlstand nach außen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Maibaum zu einem festen Bestandteil des bayerischen Brauchtums, zu einem Kulturgut in den Gemeinden und Städten.

Ursprünglich wurde der Maibaum erst in der Walpurgisnacht geschlagen. Diese Tradition ist heute nur mehr schwer durchführbar, denn in vielen Kommunen hat sich das Maibaumaufstellen zu einer Festivität mit umfangreichem Rahmenprogramm vor allem vor dem eigentlichen Aufstellen entwickelt. So findet heute eine Art Wettkampf statt, wer es schafft, den Baum der anderen Gemeinde zu entwenden.

Schon Wochen vor dem 1. Mai beginnen die Diebes-Touren, Auslöse-Verhandlungen und gemeinsame Feiern nach Rückgabe. Traditionell durfte der Maibaum früher nur in der Walpurgisnacht geraubt werden und nur, wenn er sich bereits in dem Ort befand, in dem er am 1. Mai aufgestellt werden sollte. Der Sportsgeist, das Kräftemessen zwischen den Wächtern und Räubern hat über die Tradition gesiegt.

Wird ein Maibaum von einer Partei erfolgreich entwendet, treten die beiden Gruppen in Auslöse-Verhandlungen. Selbstverständlich einigt man sich nach einigem Hin und Her meistens gerne, schließlich wollen Bestohlene und Diebe die Rückgabe des Baumes bei Brotzeit und Bier gemeinsam feiern. Es kam aber auch schon – vor allem früher – vor, dass Verhandlungen scheiterten. Dann verbleibt der Maibaum bei den Dieben. Manche stellten ihn als zusätzlichen Segensbringer für den eigenen Ort und als Schandmal für das beraubte Dorf auf.

Quelle Maibaumverein de

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