Wie ein Zeichen des Friedens

Weihnachtsfeier in Pfaffing für die neuen Mitbürger aus Eritrea, Afghanistan, Syrien ...

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1Unsere Weihnachtsgeschichte ist die vom kleinen Glück vor Ort. Wie so oft in diesem Jahr, wenn die Behörden längst mit dem Rücken zur Wand stehen, und manche Menschen in den Gemeinden des Altlandkreises einfach anpacken, helfen, Mitmenschlichkeit leben. Ja, es ist ein neues Bild für Gemeinden wie Pfaffing oder Albaching, dass neue Mitbürger aus vielen verschiedenen Ländern nun hier wohnen. Jetzt wurde gemeinsam Weihnachten gefeiert in Pfaffing. Mit einem Lächeln, mit der gereichten Hand, mit länderübergreifendem Essen und mit der Musik als gemeinsamer Sprache …

Fotos: Renate Drax

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Die vom Helferkreis waren fast alle gekommen, ein paar Bürger und einige Gemeinderäte zudem und einige der Flüchtlinge, die jetzt hier leben und die Neu-Mitbürger sind. Schüchtern und zurückhaltend, der deutschen Sprache noch nicht wirklich mächtig. Aus Eritrea, Nigeria und dem Senegal, aus Syrien oder Afghanistan.

13Aber mehr und mehr kam man ins Gespräch – ja, mit Händen und Füßen, egal. Auch aus Albaching waren sie gekommen – die, die erst seit einer Woche im Ortszentrum leben und aus der Turnhalle in Wasserburg ‚gerettet‘ werden konnten. Denn es ist eine Familie aus Nigeria mit einem erst wenige Wochen alten Mädchen und ein 32-jähriger Mann aus Syrien mit einem kleinen Buben und zwei jungen Verwandten, 13 und 19 Jahre alt.

Ihr Blick ist offen und dankbar, man spürt es. Sehr.

Der Pfaffinger Helferkreis verteilt an alle ‚Neuen‘ kleine, süße Geschenke – ein Feuerwehrauto aus Schokolade für die Kinder. Dank einer privaten Spende. Sprecherin Elisabeth Gralka freut sich, dass so viele gekommen seien, der Pfarrsaal war gut gefüllt.

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Elisabeth Gralka und Tina Andersson (Mitte) sprachen für die Helferkreise in Pfaffing und Albaching, rechts Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier.

Und Bürgermeister Lorenz Ostermaier dankte denen, die so engagiert helfen – auch er wisse ja nicht, was auf die Gemeinde noch zukomme. 48 Personen werden auf jeden Fall in wenigen Wochen im Forstinger Gewerbegebiet untergebracht und auch die Orte Pfaffing sowie Albaching werden in den nächsten Monaten einige weitere, neue Mitbürger bekommen.

Auch er sah den Nachmittag wie eine Botschaft – gerade jetzt an Weihnachten. Eine Botschaft der Nächstenliebe, eine Botschaft des Friedens.

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Ein paar junge Männer aus Eritrea, die einfach zusammengewürfelt seit ein paar Monaten nun schon als Wohngemeinschaft in Pfaffing leben, machen Späße mit ein paar Helfern und lachen. Es geht gerade nicht um die ungewisse Zukunft, es geht um den schönen Moment. Bruno aus dem Senegal – ja, er heißt wirklich so und lebt seit ein paar Jahren schon in Rosenheim – packt seine Trommeln aus. Umi, Pfaffings Organistin aus Japan, setzt sich ans Klavier – die Musik, sie verbindet, da muss man die Sprachen nicht wirklich verstehen können.

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Alle erleben, wie der kleine Mohammed aus dem Senegal, ein Pfaffinger seit einigen Wochen, sich gerne mit an die Trommeln setzt. Seine Augen strahlen. Ich frage den 13-jährigen Omar aus Syrien, Albachings Neubürger, ob er nicht auch mitspielen möchte. Er nickt glücklich. Gemeinsam machen sie Musik.

5Es wurde auch gemeinsam gesungen, Weihnachtslieder. Dazu gab’s wunderbare, internationale Speisen – ja auch die jungen Männer aus Eritrea hatten eigens eine Spezialität gebacken und mitgebracht.

Das Fremde zulassen, Ängste verlieren – alle hoffen an diesem Nachmittag, dass es gelingen möge, in der ganzen Bevölkerung. Ein so neues Bild – ein buntes!

Ich frage den 13-jährigen Omar, der in nur wenigen Tagen schon einige Wörter in der deutschen Sprache gelernt hat und für seine Familie versucht, zu übersetzen, wie denn ihr Weg war hier zu uns. Es war die Balkan-Route über die Türkei. Da seien jetzt aber noch seine Eltern und seine Schwester. Tränen füllen seine Augen. Als Omar bei der Pfaffinger Weihnachtsfeier mit den anderen trommelt, da macht sein großer Bruder Mohammed ein Foto mit dem Handy. Er schaut mich an und lächelt, ‚for Mama‘ sagt er – und drückt auf ’senden‘ …

Renate Drax

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