„Mit dem Rücken schon in der Wand …“

Viele Bürger beim Infoabend Asyl in Albaching: Dr. Diller und die Lage im Landkreis

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alb 1In Frieden und Freiheit zusammen leben – mit dem Fremden zusammen leben. Das sind die Wünsche, die Dr. Manuel Diller vom Landratsamt gestern in Albaching hatte – und die auch die Bürger haben. Wünsche, die sie mit auf den Nachhauseweg nahmen. Nach einer Info-Veranstaltung in der Alpichahalle, bei der so gut wie kein Platz frei blieb und die eine erfreulich sachliche Diskussion mit wichtigen Informationen und Hinweisen verband, der erste Schritt in Richtung Integration. Fragen hatte man auch in Albaching viele gestern, obwohl ja derzeit noch gar kein Flüchtling in der 1700 Mitbürger zählenden Gemeinde angekommen ist …

Fotos: Renate Drax

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Aber in einem Privatgebäude sollen heuer etwa sechs Menschen aufgenommen werden. Damit werde man die angedachte Quote des Landkreises für Albaching zum Jahresende (24 Flüchtlinge bis 31. Dezember 2015) zwar nicht mehr erfüllen, aber im neuen Jahr dann wohl. Da liege sie zum Jahresende 2016 derzeit bei etwa 60 Menschen.

Denn im Pfarrhof werden bis zum Frühjahr neun Asylbewerber einziehen können, das bestätigte auch ein Vertreter der Kirchenverwaltung als Wunsch. Dort derzeit untergebrachte Gruppen wie Ministranten oder Chor würden andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

alb 3Ein Container-Standort für ein Modul für knapp 50 Menschen, das im Gewerbegebiet Oberdieberg angedacht war oder ist, wird ebenfalls frühestens irgendwann im neuen Jahr kommen – und wenn überhaupt an dieser Stelle. Denn so mancher Albachinger Bürger gestern meldete sich zu Wort am Mikro und bestätigte Bürgermeister Franz Sanftl (vorne sitzend), dass dieser Standort in einem Gewerbegebiet so abseits nicht wirklich ideal sei. Man hatte Bedenken, auch in Bezug auf den Weg der neuen Mitbürger in Richtung Ortszentrum, in Richtung wichtiger Infrastruktur.

Dr. Diller (stehend am Mikro) forderte die Albachinger deshalb auf, vielleicht doch noch ein besseres Grundstück in der Gemeinde zu finden. Noch viel besser – das kristallisierte sich an dem Abend auch von Seiten der Bürger heraus – sei natürlich eine richtige Wohnbebauung für eine bessere Integration der Flüchtlinge.

Auch gebe es in Albaching noch keinen Helferkreis für die Flüchtlinge, weil ja noch keine da seien. Aber so mancher habe schon seine Unterstützung zugesagt und einige Anwesende vom ehrenamtlichen Helferkreis Pfaffing und von der Arbeitsgruppe Asyl des Gemeinderates Pfaffing berichteten äußerst positiv und aufmunternd von der Arbeit mit den derzeit in Pfaffing lebenden 26 Asylbewerbern aus den verschiedensten Nationen und Altersgruppen.

alb 4Auf die Frage von Bürgern zum Deutsch-Unterricht erklärte Monika Schwaiger (links im Bild) von der Gemeindeverwaltung, dass die Flüchtlinge, die derzeit in Pfaffing leben, alle durch die Bank mit großem Eifer dabei seien und sehr gerne unsere Sprache lernen würden. Da sei keiner dabei, der sage, ‚er mog ned‘, mal salopp auf bayerisch formuliert. Ganz im Gegenteil, bei Wind und Wetter würden einige Flüchtlinge mit dem Radl zum Unterricht nach Wasserburg radln.

Und ein Mitarbeiter eines Clearinghauses in Attl erzählte von seinem Alltag mit den jungen Flüchtlingen und er sagte, er habe in all den Jahren seiner Berufstätigkeit noch nie so viel gelacht und Freude gehabt, wie jetzt bei dieser Arbeit im Clearinghaus.

Andere Kulturen, ander Religionen, andere Werte – können Flüchtlinge was mit Gesetzestreue anfangen, so wurde in Albaching aber auch sehr besorgt gefragt. Diller kurz und prägnant: „Unsere deutschen Werte gelten, unsere Regeln sind gesetzt! Für alle!“

Auf die Frage, wer denn eventuell nach Albaching mal kommen werde, sagte Driller, dass man es nicht wisse.

Syrien, der Irak und Iran sowie Eritrea hätten derzeit jedenfalls eine extrem hohe Anerkennungsquote. 70 Prozent der Flüchtlinge seien ganz grundsätzlich jüngere Männer zwischen 18 und 35 Jahren, einige seien davon aber auch schon bis 45 Jahre alt. Etwa 25 Prozent seien Familien und fünf Prozent alleinreisende Frauen. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge seien da nicht mitgerechnet und seien für Albaching speziell jetzt ohnehin nicht relevant, da hier ja für sie keine Aufnahmestelle sei.

„Hab keinen Einfluss auf die Merkels dieser Welt“

Genau schilderte er auch den Ablauf der Vorgehensweise für die ärztlichen Untersuchungen, da gerade in Bezug auf ansteckende Krankheiten immer wieder viele Fragen und Sorgen aufkämen in der Bevölkerung ganz allgemein.

Aber wo solle das alles noch hingehen, wollten die Albachinger Bürger wissen. Dr. Diller ließ sich auf diese Diskussion nicht ein. Hier an diesem Abend gehe es nicht um irgendeine große Politik, geschweige denn um Lösungen für ‚die Politik der Merkels dieser Welt‘, so Diller, sondern um Fakten, mit denen der Landkreis seit Wochen, seit Monaten zu tun habe. Man stehe nämlich nicht mit dem Rücken zur Wand, sondern mit dem Rücken in der Wand …

alb 5Er sagte, acht Container-Module seien heuer vergeben beziehungsweise noch aufzustellen, Schließlich müsse man pro Woche 150 Menschen im Landkreis aufnehmen. 46 Gemeinden habe der Landkreis, es solle gerecht ablaufen. Auch wenn keine Gemeinde per Gesetz verpflichtet sei, wie die Antwort Dillers auf eine entsprechende Frage lautete. Albaching sei eine von wenigen Gemeinde im Landkreis, die noch keinen einzigen Flüchtling bisher aufgenommen habe. Absolutes Aushängeschild sei das kleine Höslwang, wo bereits 40 Flüchtlinge wohnen, so Diller.

16 Container für jeweils knapp 50 Menschen habe man sich nun für 2016 als Landkreis mal organisiert.

Und zum aktuellen Notfallplan sagte Diller: Die landkreiseigenen, zur Verfügung stehenden und geeigneten Turnhallen seien am 21. Dezember alle vergeben. Bis auf das Gymnasium in Wasserburg, aber auch diese Halle müsse wohl im Januar hergerichtet werden als Notunterkunft, wenn es so weiter gehe.

Und man rede bereits auch im Landkreis Rosenheim nun schon über sogenannte Traglufthallen als aufzustellende Notunterkünfte, von denen man aber alles andere als begeistert sei.

rd

 

 

 

 

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