Viele Firmen bekamen gar keinen Azubi

Ausbildungsmarkt: Wer möchte gerne Koch werden? Kaufmann ist der Wunschberuf

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PantherMedia A9920535„Firmen können und konnten nicht alle Ausbildungsstellen besetzen, manche hoffen auf einen Azubi im nächsten Jahr! Aber für die Jugendlichen gestaltet sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sehr gut.“ So fasst Dr. Nicole Cujai, Leiterin der Agentur für Arbeit Rosenheim, heute am Donnerstag die Jahres-Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt der Region zusammen. Die Daten der Geschäftsstatistik zeigen, dass sich sowohl die Zahl der Bewerber um eine betriebliche Ausbildungsstelle erhöht hat, als auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Bei detaillierter Betrachtung sind deutliche Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage erkennbar.

Positiv stellt sich die Situation für die jungen Menschen in unserem Agenturbezirk dar, die genau wissen, welchen Beruf sie erlernen wollen und die dafür auch die entsprechenden schulischen Voraussetzungen mitbringen.

In diesem Jahr bekamen auch junge Leute eine Chance, die die notwendigen sozialen Kompetenzen mitbrachten, bei denen aber zum Beispiel der Übertritt in eine weiterführende Schule fehlgeschlagen war.

Für die Firmen verschärft sich das Problem, ihre freien Ausbildungsplätze nicht mehr oder nicht mehr zu hundert Prozent besetzen zu können. Der eine oder andere Betrieb ging daher auch heuer wieder „leer“ aus.

In wieweit Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge diese Lücke füllen können, bleibt abzuwarten. Wichtig ist die deutsche Sprache, denn die theoretischen Anforderungen in der Berufsschule sind hoch und Ausbildungsabbrüche sollten vermieden werden. So heißt es heute aus dem Arbeitsamt.

Der Ausbildungs-Stellenmarkt im Detail

Kaufmännische Berufe ganz oben auf Wunschliste

Insgesamt hatten sich 3 357 Bewerber (1 955 junge Männer und 1 402 Mädchen) im Laufe des Berufsberatungsjahres bei der Agentur für Arbeit für die Vermittlung in eine Ausbildungsstelle vormerken lassen, darunter 479 Jugendliche mit ausländischer Nationalität. Damit liegt die Zahl der Bewerber um 169 höher als im Vorjahr.

Die Ausbildungsbereitschaft ist nach wie vor gut, obwohl so mancher Handwerksbetrieb schon seit zwei bis drei Jahren keinen Azubi mehr bekommen hat.

Viele Klein- und Mittelbetriebe in Stadt und Landkreis Rosenheim bieten eine breite Palette an Ausbildungsberufen an. Dennoch rangieren bei den Ausbildungswünschen, wie schon in den vergangenen Jahren, die kaufmännischen Berufe ganz oben.

Bei den Burschen steht der Kaufmann im Einzelhandel an erster Stelle, gefolgt vom Kfz-Mechatroniker und dem Industriemechaniker.

Bei den Mädchen rangiert die Kauffrau für Büromanagement und die Medizinische Fachangestellte ganz vorne, gefolgt von der Kauffrau im Einzelhandel.

Die meisten Jugendlichen äußern in der Regel mehrere Berufswünsche, die Zuordnung erfolgt aber grundsätzlich nach dem Hauptberufswunsch.

Cujai weist darauf hin, dass unter der Gesamtzahl der Bewerber eine Reihe von „Altbewerbern“ ist, also Jugendliche, die bereits im Vorjahr oder schon vor längerer Zeit die allgemeinbildende Schule verlassen haben. Cujai dazu: „Wir wissen und verstehen auch, dass jeder Betrieb gerne einen passenden Bewerber möchte. Die demografische Entwicklung macht sich jetzt aber auch in der Region bemerkbar, denn immer weniger Jugendliche verlassen die Schule.

Außerdem entscheiden sich die guten Schüler/innen oft für eine weiterführende Schule oder ein Studium. Damit stehen für eine betriebliche Ausbildung weniger Bewerber zur Verfügung. Es gibt zwei mögliche Lösungsansätze: Firmen sollten sich mit den Modalitäten für ein duales Studium auseinander setzen, vielleicht bekommen sie mit dieser Ausbildungsvariante einen Top-Bewerber. Oder der Betrieb und die Ausbilder sind zu Zugeständnissen bereit.

Das bedeutet: Sich schulisch schwächere Bewerber ansehen, eventuell auch ältere oder eben junge Menschen mit Fluchthintergrund (anerkannte Flüchtlinge oder aber Asylbewerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit). Unsere Fachkräfte vom Arbeitgeber-Service beraten Sie gerne.“

Ein Blick auf die Angebotsseite

Seit Beginn des Berichtsjahres wurden der Rosenheimer Arbeitsagentur 3 674 Lehrstellen gemeldet. Damit haben Betriebe, Verwaltungen und die so genannten freien Berufe 228 Stellen mehr gemeldet als im Berufsberatungsjahr 2013/2014. Ende September waren noch 429 Lehrstellen, lediglich sechs weniger als im Vorjahr, zu besetzen.

Stellen gibt es im Besonderen noch für Ernährungsberufe wie Koch/Köchin (41 Stellen), für Hotel- und Gaststättenberufe (28 Stellen für Hotelfachmann/frau, 15 für Restaurantfachmann/frau, vereinzelt für Fachmann/frau Systemgastronomie), sowie für Ausbildungen im Handel (insgesamt 128 Stellen, davon viele im Lebensmittelbereich).

Von den 3 357 Bewerbern blieben 27 „unversorgt“, das heißt, sie haben (noch) keine Ausbildungsstelle angetreten und es konnte auch (noch) kein passendes Alternativangebot unterbreitet werden, oder der/die Bewerber/in hat sich zum 30.09.2015 noch nicht entschieden. Insgesamt haben 2 076 Jugendliche, die bei der Berufsberatung geführt wurden, eine Ausbildung begonnen.

Es wurden aber auch andere Wege eingeschlagen. So haben sich 461 für eine weitere Schulbildung oder ein Studium entschieden. Wieder andere entschlossen sich für ein freiwilliges soziales/ökologisches Jahr (unter anderem 56 für den Bundesfreiwilligendienst) oder jobben vorübergehend. Knapp 34 Jugendlichen konnte als Alternative zur Ausbildung eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme angeboten werden.“

Die Abschlussbilanz des Ausbildungsstellenmarktes in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks Rosenheim sieht folgendermaßen aus:

Stadt und Landkreis Rosenheim: 204 unbesetzte Stellen, circa 18 „unversorgte“ Jugendliche.

Landkreis Miesbach: 112 freie Lehrplätze, nahezu alle Jugendlichen sind versorgt.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 113 offene Stellen, nahezu alle Jugendlichen sind versorgt.

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