Mit dem Radl in die Vergangenheit

Museums-Tour durch den Landkreis Mühldorf - Zehn Teilnehmer

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Radltour Alz MuseumZehn Interessierte folgten dem Angebot des Kreismuseums Mühldorf und des Heimatbunds Tüßling zu einer Radltour auf den Spuren des Ersten Weltkrieges. Am Kriegerdenkmal in Polling führte Johann Blümhuber, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kreismuseum Mühldorf, in die Geschichte des Denkmals und seiner Namenstafeln ein. Deren Entfernung hatte in den 60er Jahren im Ort für Diskussionen gesorgt. Museumsleiterin Dr. Susanne Abel stellte die dort bezeichneten Gefallenen anhand von Sterbebildern vor. Die Radler konnten den Lebensweg eines der Gefallenen, in Polling geboren und bis kurz nach Kriegsbeginn in der Verwaltung der Stadt Mühldorf tätig, anhand persönlicher Dokumente nachvollziehen.

Die Intention der Forschungen sei, so Dr. Susanne Abel, die Schicksale hinter den Namen zu zeigen, bewusst zu machen, dass die Gefallenen gerne weiter gelebt hätten und in ihren Familien Lücken hinterließen. Zugleich konnten die Teilnehmer an dieser und an weiteren Stationen erleben, welche teilweise erstaunlichen Ergebnisse gemeinschaftliches Forschen hervorbringt.

BundwerkstadelFotoMeislNach einem kurzen Abstecher zur Kirche in Mauerberg mit einer weiteren Gedenktafel machten die Radler einen kurzen Ausflug ins 19. Jahrhundert und ließen sich von Helmut Meisl, Ortsheimatpfleger Garchings, einen zur Zeit in Restaurierung befindlichen Bundwerkstadel erklären. Über den Alzkanal, von russischer Kriegsgefangenen für die Energieversorgung zur Stickstoffproduktion angelegt, führte der Weg nach Garching. Ortsheimatpfleger Meisl erläuterte das Konzept der dortigen Werkssiedlung.

Janitsch-Siedlung-04Heute durch die Bundesstraße stark beeinträchtigt, bot sie zur Zeit der Erbauung in den 20er Jahren vergleichsweisen Luxus. Dieser spielte sich für die Arbeiterfamilien auf rund 45 Quadratmetern ab, wobei jede Wohnung über fließendes Wasser, ein WC innerhalb der Wohnung und eine Bademöglichkeit im Keller verfügte. Zu jeder Wohnung gehörte ein Stückchen Garten zur Selbstversorgung. Die „Beamten“ des Werks lebten auf rund 90 Quadratmetern großzügiger und die „Oberbeamten“ verfügten über rund 120 Quadratmeter.

Im Tüßlinger Heimatmuseum stellte Ortsheimatpfleger Rudolf Rossgotterer einige Schicksale von Kriegsteilnehmern vor, von denen einer auf seiner Flucht aus einem sibirischen Gefangenenlager bis nach Peking gelangte und anschließend für Spionagedienste eingesetzt war.

Trotz der Hitze und der emotional fordernden und umfangreichen Informationen waren sich die Teilnehmer darin einig, dass die Mischung aus Bewegung und Vermittlung passte. Die Mitwirkenden, an einigen Punkten von den Geführten ergänzt, konnten die Mitfahrer erfolgreich zu einem neuen Blick auf eine gewohnte Umgebung motivieren.

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