Johanna in Bestform – gleich nach dem Mathe-Abi

Leichtathletik: Mannschaftstreffen der besten bayerischen Vereine am Wochenende

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WindmaierDer „Mannschaftsausflug“ der Wasserburger Leichtathleten nach Franken hat sich eindeutig gelohnt, so die einhellige Meinung des Trainergespanns Walter Kurzbuch und Michi Grabl. Mit zwölf Sportlern starteten sie am Wochenende beim Bayerncup in Herzogenaurach, wo die besten Vereinsmannschaften aus Bayern zum Vergleich antraten. Dabei trafen die Wasserburger auf starke Konkurrenz, insbesondere der Großvereine LAC Quelle Fürth, der LG Stadtwerke München und der LG Region Landshut. Diese Vereine können …

… aus einem großen Aufgebot an Diszilpinspezialisten auswählen, während Walter und Michi ihre Athleten zu Mehrfachstarts melden müssen. Beim U20-Wettkampf werden laut Austragungsmodus die Punkte nach Platzierungen vergeben, das heißt, der Erste bekommt beispielsweise zehn Punkte, der Zweitplatzierte neun, der Dritte acht und so weiter.

Mit einem Paukenschlag begann der Wettkampf bei den jungen Damen. Gerade noch das Mathe-Abi am Freitag geschrieben, sprintete Johanna Windmaier in 14,97s über die Hundertmeter-Hürdenstrecke und brachte den TSV zunächst in Führung. Das war aber nur der Auftakt für eine weitere Spitzenleistung. Nach vier Stunden Klausur am Freitag drängte es Johanna offensichtlich nach Bewegung. 5,67m im Weitsprung (unser Foto oben) und untermauerte zunächst die Führung der Wasserburger Damen. 

Hochsprungspezialistin Isabel Röttger trat dann in ihrer Paradedisziplin an und enttäuschte die Trainer und ihre Mannschaftskameradinnen mit übersprungenen 1,57m nicht. Doch beim letzen Versuch traf sie den Absprung nicht optimal und zog sich eine schmerzhafte, zum Glück nicht schwerwiegende Verletzung zu. Dadurch beeinträchtigt, gelang der 17- jährigen Schülerin nur ein 8. Platz im 100m Lauf, was die Wasserburger in den Platzierungen etwas zurückwarf. Ihren Start für die 4x 100m Staffel musste sie absagen, was wiederum ihren Vater Klaus entlastete, der seine Tochter dadurch recht entspannt zum Frühlingskonzert der Wasserburger Stadtkapelle chauffieren konnte, wo Isabel die Saxophonisten unterstützt.

Mathe-Abistress musste auch Lisi Höcketstaller abbauen. Leidtragende dieser Stimmung waren ihr 1000g Diskus und die 4kg Kugel. Den Diskus schleuderte die 18-Jährige 28,52m weit und belegte damit den vierten Rang. Derartig warm geworfen, erging es der 4kg Kugel noch schlechter und Lisi noch besser: 9,15m, 4. Platz lautete am Ende das Ergebnis.

Besonders aufgeregt war die Jüngste im Bunde, Eva Ogiermann, die mit ihren noch 15 Jahren die Wasserburger Mannschaft im 400m Lauf vertrat. In einer persönlichen Bestleistung von 1:07,12min absolvierte sie die Stadionrunde und untermauerte damit ihr Sprinttalent. Zur Erinnerung, der Wettkampf ist als U20-Wettkampf ausgeschrieben, so dass Eva gegen deutlich ältere Konkurrentinnen antreten musste.

Ebenfalls in Höchstform war Elena Geiger. Die groß gewachsene, zierliche Schülerin konnte den 600g Speer erstmalig über die 31 Meter Markierung platzieren und sicherte sich mit dieser persönlichen Bestleistung (31,62m) und den Mannschaftskameradinnen den fünften Rang.

Die gerade wieder genesene Daniela Weichselgartner, als hoffnungsvolle Stabhochspringerin bekannt, bewegte sich am Samstag auf ungewohntem Terrain. Zu den vertrauten 20 Schritten Stabhochsprunganlauf kamen viele, viele weitere hinzu, bis der 1.500m in guten 5:49,68min bewältigt war.

Der Wettkampf wurde traditionell mit der 4x100m Staffel abgeschlossen, den die Mädels in der neuen Besetzung Höcketstaller, Windmaier, Geiger und Ogiermann in 53,24s absolvierten.

Lohn der Mühen, ungewohnten Disziplinen und älteren Startklassen war in der Zusammenrechnung aller Wettkampfleistungen ein hervorragender 3. Platz! Die Stockerlperspektive haben sich die sechs jungen Damen wirklich verdient und auch ein anerkennendes Schulterklopfen ihrer Coaches bekommen.

„Handicap“ der höheren Altersklasse

Nicht ganz an die Leistungen der Damen anknüpfen, konnten die jungen Herren der Schöpfung, wo sich das „Handicap“ der höheren Altersklasse deutlich sichtbarer auswirkte. Die Mannschaft muss in der höheren Altersklasse starten, weil einige Athleten in diesem Jahr bereits 19 Jahre alt werden und damit in der nächst höheren Altersgruppe eingeordnet sind. Dennoch zeigten sich die Trainer Kurzbuch und Grabl durchaus zufrieden, zumal ihre Athleten die Sportler der Großvereine ab und an mal gewaltig ärgern konnten.

5,55m waren ein viel versprechender Einstieg in den Wettkampf, den Max Huber mit dem Weitsprung eröffnete. Anlass genug für Walter Kurzbuch, gleich einmal einen Lottoschein auszufüllen. Mal schauen, ob es was gebracht hat? Sollte demnächst ein Maserati vor der Türe stehen, ist Max bestimmt der erste, der mitfahren darf.

Ernüchternd dann zunächst einmal das Ergebnis des Speerwurfs für Manuel Riemer. Als einer der Besten in dieser Disziplin mit über 50m persönlicher Bestleistung gemeldet, blieb das Wurfgeschoß am Samstag bereits nach 36,56m im Rasen stecken. Das war natürlich eine riesige Enttäuschung für den 16-Jährigen. Nur schwer konnte Trainer Walter Kurzbuch den Kaderathleten vermitteln, dass der ungewohnte 800g Speer doch andere Flugeigenschaften hat, als der 700g Speer, den Manuel sonst benutzen darf.

Die sonntäglichen zusätzlichen Joggingtouren scheinen sich bei Max Kurzbuch ausgezahlt zu haben. In neuer persönlicher Bestleistung von 16,62sec überquerte er die 10 (99,1cm hohen) Hindernisse technisch sauber und belohnte sich und die Mannschaft mit dem dritten Platz.

Im Anschluss sprintete Nils Focke, trotz gerade überstandener Grippe, in 12,21sec über die 100m ins Ziel und sicherte sich damit einen Platz in der Abschlussstaffel.

Mit Wut im Bauch und unter Aktivierung aller Hebelverhältnisse stieß Manuel Riemer nach seinem verkorksten Speerwurf die 6kg Kugel auf 12,22m und sicherte sich damit eine neue persönliche Bestleistung und den dritten Rang und viele Punkte für das Konto des TSV.

Eine 54. Zeit forderte Trainer Walter Kurzbuch von Jonathan Neuhoff im Abschlusstraining am Donnerstag. Schön, wenn die Athleten exakt die Vorgaben des Trainers umsetzen und in 54,59! sec. erschöpft, aber glücklich und mit neuer persönlicher Bestzeit ins Ziel sprinten. Besonders seelig war Jonathan über seine 200m Durchgangszeit, die, begünstig durch den Rückenwind, im 22er Bereich lag und einen Hauch von Michael Johnson verursachte.

Die Gene spielten in der darauffolgenden Disziplin eine große Rolle. Wie in Vaters besten Zeiten blieb die Hochsprunglatte für Max Kurzbuch bei 185cm ruhig auf dem Ständer liegen, während die Konkurrenten das labile Gestänge zu Fall brachte. Sieg im Hochsprung, das ist für Papa Walter immer wieder ein Highlight.

Persönliche Bestleistung Teil 2 und völlige Rehabilitation für die Speerwurfleistung zelebrierte Manuel Riemer im Diskuswurf. Geschmeidig wie ein Zumbatänzer beschleunigte er sein Sportgerät und katapultierte den Diskus aus dem Ring, der bei 36,30m seinen Flug beendete. Neben der Bestleistung gewann Manuel wichtige Punkte für die Mannschaftswertung.

Fast vier Stadionrunden können ganz schön lang sein, vor allem, wenn man eine knappe Stunde vorher noch 400m laufen musste. Da muss man schon ganz besondere Durchhaltestrategien entwickeln, wenn die Sternchen vor dem schwarzen Hintergrund auftauchen, aber das Zeil noch hundert Meter entfernt ist. Sicher trugen die Anfeuerungsrufe der Mannschafskameraden und Kameradinnen maßgeblich dazu bei, dass Jonathan Neuhoff die 1.500m in guten 5:09,15 min als 5. bewältigte.

Eine besondere Disziplin mit eigenen Gesetzen ist immer wieder die Mannschaftsstaffel. Während Max Kurzbuch und Nils Focke den Stab lehrbuchmäßig übergeben hatten, war die Übergabe zwischen Max Huber auf Schlussläufer Simon Peinhofer gerade noch einmal gut gegangen. Im letzten Augenblick konnte Max den glänzenden Staffelstab auf Simon überreichen, bevor ihn die Gesetze der Schwerkraft zu Fall brachten. Bis auf ein paar Schürfwunden hat er seinen Sturz jedoch schadensfrei überstanden. Auch Simon ließ sich von der variantenreichen Stabübergabe nicht beirren und brachte den Staffelstab in 47,55s sicher hinter die Ziellinie.

In Summe erreichten die verkappten U20-Athleten männlich einen tollen fünften Platz mit vielen sehenswerten Individualleistungen. Sieger des Bayerncups bei der männlichen Jugend U20 und damit beste Vereinsmannschaft, die LG Landkreis Aschaffenburg.

cp

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