Feng-Shui für den Schlossturm?

Fastenpredigt und Singspiel begeistern das Publikum beim Haager Starkbierfest

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Haag Starkbierfest_27 02 15_0141„Salve pater patriae! Bibas, princeps optime!” Nein, so hohen Besuch musste Hans Urban am Freitagabend im bis auf den letzten Platz ausverkauften Grandl-Stadel der Wirtsfamilie Bachmeier nicht begrüßen, obwohl später immerhin Graf Ladislaus im Singspiel über die Bühne „geisterte“. Urban verzichtete allerdings darauf, jeden Einzelnen der Prominenten und Honoratioren persönlich zu nennen, zu groß war die Zahl derer, die sich neben Bürgermeisterin Sissi Schätz zum Starkbierausschank eingefunden hatten.

 

Die Trachtenblaskapelle Ramsau sorgte schon vorab für gute Stimmung bevor sich dann der Hausherr Mathias Bachmeier und Organisator Hans Urban nebst den beiden Brauereichefs Alois Unertl und Georg Lettl sowie Bürgermeisterin Sissi Schätz im schicken Dirndl zum ersten Anstoßen auf der Bühne trafen.

Kurz darauf folgte dann schon der erste Höhepunkt, die Fastenpredigt. Nachdem Haag eine emanzipierte Gemeinde ist, übernahm die dann auch „Schwester“ Christa und „Bruder“ Josef. Themen hatten die beiden genug, wie zum Beispiel den Haager Demokratie-Mangel ,der sich in der Wahlbeteiligung bei der letzten Kommunalwahl niedergeschlagen habe. Oder, dass sich seit der Wahl eine Sissi-Manie in Haag breitmache und die Bürgermeisterin erschreckend omnipräsent sei.

Eine andere wichtige Frage: Wie soll er nun leuchten, der Haager Schlossturm? Die beiden Prediger schlugen vor, hier die Lehren des Feng-Shui zu Rate zu ziehen und wählten für die Hofgartenseite die Farbe Lavendel, die förderlich für die gesselige Runde sei, allerdings auch zu blass, um starke Gefühle hervorzurufen – für die Ostseite Purpur. Die Farbe der Wahrheit und Liebe und der Denker, Dichter und Visionäre. Und für die Westseite Orange: Für fröhliches Beisammensein, soziale Aktivitäten und konstruktive Energie. Die Seite Richtung „Ludwigsdorf“ (Winden) bleibt schwarz. Schwer taten sich Christa und Josef, eine Erklärung für das neue Haager Logo zu finden. Warum zeigt man vom Haager Schimmel nur noch den Hintern auf dem dann die beiden Türme stehen?

Wenn Schwester Christa auf Haag herabsieht fühlt sie sich wie am Meer, am Tag ein Häusermeer, am Abend ein Lichtermeer „und in der Nacht gar nichts mehr“. Kein Wunder also, wenn Haag regelmäßig von finsteren Gesellen heimgesucht und eingebrochen wird. Nur die Polizei sucht dann nicht nach den Tätern sondern nach Zeugen. Nebenbei bemerkten die beiden Redner, dass in Haag der Frauen-Power auf dem Vormarsch ist und nicht mal vor der Feuerwehr Halt macht und der Faschingszug zur Landmaschinenschau mit Discomusik mutiert.

Nach einer Verschnaufpause, in der die Ramsauer Blasmusik schneidig aufspielte, kam dann der zweite Höhepunkt des Abends, das Singspiel.

Dabei geisterte Graf Ladislaus mit zwei Gefolgsleuten durch die Redaktion des Haager-Boten und wundert sich, was sich die letzten Jahrhunderte nach seinem Ableben alles getan hat. Bevor dann die Uhr das Ende der Geisterstunde einläutete, hinterließ Ladislaus noch eine schriftliche Botschaft. In der Redaktionskonferenz am nächsten Tag, geleitet durch die Chefredakteurin Donau (die wie Iller, Regen, Inn) wurde dann nach dem Meindl ebenso gesucht, wie nach aktuellen Artikeln für den Haager Boten. Auch hier gab es Themen genug. Angefangen von der bisherigen Arbeit der Bürgermeisterin im letzten Jahr, bei der sie zum Beispiel durch persönlichen Einsatz mit 300 anderen Haagern bei einer Drogeriemarkteröffnung 3000 Euro für die Schlossturmsanierung ersungen habe oder kürzlich im Haager Einkaufspark, wo sie werbewirksam eine öffentliche Toilette eröffnet habe.

Weiterer Schwerpunkt im Singspiel war der Ausbau der Münchner Straße, wo die Gehwege schon fast breiter werden als die Fahrbahn und das Haager Herbstfest, für das schon jetzt im Anzeigenteil Bedienungen gesucht werden – mit Kenntnissen der deutschen Sprache. Im Weiteren wurden auf der Rat-und-Hilfe-Seite Tipps für den richtigen Besuch des Herbstfestes gegeben. Ach ja, der Zettel vom Ladislaus… darauf gestand er den Haagern, dass er sich in Griechenland bei der Brautschau verzockt hätte und der Schlossturm eigentlich den Griechen gehöre.

Trotz der Länge war das Singspiel ein kurzweiliges Vergnügen nicht zuletzt wegen der erstklassigen Darsteller, der Auswahl der Musikstücke und der umgearbeiteten Texte, welche dann ausgesprochen stimmgewaltig vorgetragen wurden. Sowohl die Fastenpredigt als auch das Singspiel waren nicht durch platten Witz geprägt, sondern zeichnete sich durch feingeschliffenen, hintersinnigen Humor und auf den Punkt gebrachte Pointen aus. Auch die Bühnentechnik spiegelte ein absolut professionelles Niveau wieder.

Auf Nachfrage der Haager Stimme äußerte sich Sissi Schätz begeistert über das Singspiel und fand die Predigt „amüsant und ausgewogen“. Das Publikum war jedenfalls begeistert und mitgerissen von den Darbietungen.

Das ganze in Kombination mit den Schmankerl aus der Küche der Wirtsleute Bachmeier und den süffigen Bieren vom Unertl und der Brauerei Forsting in dem schön geschmückten Fest-Stadl ließen den Abend zu einem vollen Erfolg werden.

Dietmar Gebert

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2 Gedanken zu „Feng-Shui für den Schlossturm?

  1. Lieber Christian, lieber Dietmar,

    ganz herzlichen Dank für die schönen Bilder und den gelungenen Artikel! Es hat auch wirklich Spaß gemacht. Und dass wir eigentlich gar keine rechte Zeit zum Proben gehabt hatten, das ist scheinbar gar nicht so aufgefallen.
    Ganz besonders freut´s mich auch, dass Ihr die gute Technik erwähnt habt, denn das wird normalerweise nie gemacht. Ich hab schon oft genug Technik gemacht und normal ist es so, dass Probleme mit der Technik immer sofort jedem auffallen, aber wenns gut läuft, dann sagt keiner was. Und für uns war es echt gut, dass wir uns auf die Technik verlassen konnten. Alex nochmal herzlichen Dank dafür!
    Hmmm … eigentlich wolltet Ihr ja den Schluss der Story noch nicht verraten, oder? I glaab, des kost a Hoibe!

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    1. Servus Hans!
      No moi herzlich’n Dank für den erstklassigen Abend. Es war des Gesamtpaket, das den Abend so großartig g’macht hod, weil einfach olles a gewisse Professionalität wiedergeb’n hod. Dass bei a soichane Veranstaltungen mit Headsets g’arbert werd, is ned unbedingt selbsverständlich, wos a für de Beleuchtungstechnik guit.

      Wenn dann so a Sach no so guad dargeboten wird, dann foin a Probleme mit da Technik ned auf, weil d’Leut mit der G’schicht scho gnua beschäftigt san. Des oanzig hinderliche wär dann, as Liacht gangad ganz aus. Da wahre Profi stemmt des Ganze aa ohne große Probiererei und wos gibt’s Scheenas, ois wenn a Darsteller selber über a Pointe lacha muaß.

      Fest steht, mit dem Starkbierfest hod Hoog a großes Aushängeschuid’l auf des olle Beteiligten stoitz sei kennan.
      So, und während i des jetz g’schriem hob, bin i scho auf am Hoizscheitl kniad, de ganz spitze Seit’n nach ob’n. Do is hoid da Schreibfluß vor lauter Begeisterung mit mir durchganga. D’schuldigung dafür, i hoff, dass i jetz wieda aufsteh derf, wenn’s Recht is.

      Jedenfalls Super-Veranstaltung mit große Momente und wirklich hervorragend aufzog’n, zu Gast bei Freunden konn i do bloß sog’n.
      Dank schee!

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