Da Hofi, die Tuba und magisch-weiche Töne

... samt klarer, deftiger, bayerischer Worte - Ein Erlebnis in Pfaffing

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3 Das in Pfaffing zahlreich erschienene Publikum lachte und klatschte begeistert Applaus in anbetracht der angenehmen Stunden ohne großen Aufwand! Denn genauso lautete der Titel des einmaligen Abends. Ein Tubist scheut den großen Aufwand von Haus aus, erklärt da Hofi. Und grinst. Und rechnet vor: In einer Dvorak-Sinfonie spielt die Geige 20.000 Töne, die Tuba hingegen nur acht Töne. „Und beide bekommen die gleiche Gage“. Mache pro Ton etwa 1,5 Cent für den Geigespieler, und leider 18,25 Euro mindestens für den Tubisten! Alle klar, oder … Andreas Martin Hofi Hofmeir, die einstige „Tuba“ von LaBrassBanda, ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der – wie berichtet – jetzt in Pfaffing zu Gast war. Ohne Aufwand. Barfuß halt mitten im Winter. Dafür mit klaren, bayerischen, deftigen Worten im reizvollen Gegensatz zu magisch-weichen Tönen, die er im musikalischen Teil der Lesung ausgerechnet einer Tuba, seiner Tuba, entlockte.

2Begleitet vom feschen Brasilianer Guto Brinholi an der Gitarre – auf der Bühne im Pfaffinger Gemeindezentrum auf Einladung der Kunst in der Filzen. Die Texte, die selbstverständlich alle aus dem echten Leben des in etwa 36-Jährigen erzählen, haben Witz und Charme. Dem „Hofi“ zuzuhören, macht gute Laune.

Sanfter brasilianischer Jazz und Lieder, die davon handeln, dass die Geliebte fortgeht, unerreichbar ist und immer wieder fortgeht, wie Hofmeir schlicht zusammenfasst. Sich selbst ständig gerne auf den Arm nehmend, die eigene Musik als Gedudel bezeichnend und die Lesung gleich mal mit fünf langweiligen Stunden ankündigend.

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Seine Lebensgeschichte in Zeilen gepackt: Wie er als 16-jähriger Holledauer Landbursche Chorerfahrungen macht oder wie er als international erfolgreicher Musiker mit seiner Tuba „Fanny“ auf Tournee geht. Und das, obwohl das Instrument durch keinen Flughafenscanner passt, sehr wohl aber einen eigenen Sitzplatz im Flieger beansprucht. Zum Beispiel.

 

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Koa Aufwand im Winter: Barfuß, Jeans, T-Shirt – Andreas Martin Hofmeir im Schnee-Januar 2015 in Pfaffing.

Zwischendrin gestaltete sich die Suche nach einer Übernachtung für den feschen Brasilianer recht zäh in den Augen des Hofi. Dabei wussten die Beiden längst, dass sie ihr Quartier agrad in der Pfaffinger Filzen aufschlagen werden, bei der Familie von der Ernie, engagierte Mitorganisatorin seit vielen Jahren bei der Kunst in der Filzen und seit Jahren auch bestens befreundet mit dem talentierten LaBrassBanda-Mitbegründer. Ihr war es ohnehin zu verdanken, dass der so sehr ausgebuchte Tubist nach einer großen Brasilien-Tournee den Weg einmal mehr sehr gerne ins kleine Pfaffing fand.

Wenn die beiden Musiker loslegten, wurde es still und man konnte spüren, wie das Girl von Ipanema am Strand in Rio entlang spazierte oder ein argentinischer Tango von Piazzolla den ganzen Raum so gefühlvoll erfüllte. Träumen war leicht bei dieser Musik an diesem Abend. Dass ausgerechnet eine Tuba das schafft – man kann ahnen, wieviel Gespür Andreas Martin Hofmeir dafür Abend für Abend dem staunenden Publikum zeigt. Mit größter Freude, mit größter Leidenschaft.

Ganz am Anfang vor ein paar Jahren sind wir auch hier in Pfaffing gewesen mit LaBrassBanda, so mancher wird sich erinnern und war vielleicht dabei. Wir kamen mit einem Fahrzeug, in das auch noch alle Instrumente reinpassten. Und dann irgendwann waren wir 35 Leute, viele Trucks und unglaublich riesige Veranstaltungen“, sinniert da Hofi auf einmal. Um gleich mit einer neuen Solo-Geschichte a la Hofmeir neu weiter zu machen, von seinem Leben in Berlin-Prenzlauer Berg, vom Einbrecher Jürgen und Polonistik-Studenten Max erzählt er so trocken, wie’s nur grad geht. Und man schmunzelt, lacht, klatscht ganz viel und fest und freut sich. Danke, Hofi, für den gefühlsmäßig doch so großen Aufwand!

Fotos: Renate Drax

 

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